| Stefan Zweig: Die Welt von Gestern. Erinnerungen eines
Europäers Stuttgart: Deutscher Bücherbund, 1981. 494 Seiten – |
| Ein Geschichtsbuch für die erste
Hälfte des 20. Jahrhunderts gefällig? Hier ist es.
Wer eine Biografie Stefan Zweigs erwartet, liegt fehl. Das steht ja
auch nicht im Titel, der Untertitel lautet: "Erinnerungen eines
Europäers". Seine erste Ehefrau wird auf Seite 351 kurz
erwähnt. Und fast am Schluß erfährt der
Leser, daß Zweig inzwischen eine zweite Ehe eingegangen ist. Beginnend mit seiner Schulzeit analysiert Zweig die Gesellschaft, Kultur und Politik seiner jeweiligen Heimat, sei es Wien, Berlin, Paris oder London. Eingestreut als Wegmarken sind Zweigs erste literarische Versuche und seine Erfolge bis zur Bücherverbrennung ( Neben den politischen Ereignissen, die Zweig als feiner Beobachter vorausahnend schildert, sind es die kulturellen Abschnitte, die das Buch so lesenswert machen. Dietrich Schwanitz, der in seinem Bestseller Bildung. Alles, was man wissen muß Wissen über Sport oder gar Fußball untersagte, hätte an Zweig seine Freude, bekennt der doch: "Selbst heute, 1941, ist mir der Unterschied zwischen Baseball und Fußball, zwischen Hockey und Polo höchst unklar" (S.76-77). Bemerkenswert ist Zweigs erstaunenswerte Klarsicht über die politischen Zusammenhänge. Seine Vorausahnungen treffen meist ein. An verschiedenen Indizien könnte ich belegen, daß diese Erinnerungen zudem ehrlich sind. Der Stil ist etwas kariziös aber immer elegant. Die fast fünfhundert Seiten lesen sich im Fluge. Daher kann ich Die Welt von Gestern jedem empfehlen, der über die politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Zeitläufte bis 1940 Erfahrungen und Überlegungen aus erster Hand haben will. |