| Maya
Angelou: I Know Why the Caged Bird Sings New York: Bantam, 1988. 246 Seiten – |
| Der erste Teil
der Autobiografie der Afro-Amerikanerin Maya Angelou erzählt von ihrer
Kindheit in Arkansas (und anderen Staaten der USA) bis zur Geburt ihres
ersten Kindes. Es gelingt ihr dies aus den Augen des farbigen Kindes zu schildern ohne kindisch zu werden. Wir erfahren von Freud und Leid, Enttäuschung, Tragödien und Kampf um Menschenwürde und persönliche Unabhängigkeit. Am Ende der Einleitung wird es knapp zusammengefasst: "If growing up is painful for the Southern Black girl, being aware of her displacement is the rust on the razor that threatens the throat" (S. 3). Die Eltern "verschicken" ihre Kinder Marguerite (Maya) mit 3 Jahren und ihren ein Jahr älteren Bruder Bailey von Kalifornien nach Arkansas zu deren Großmutter Annie Henderson. Diese – nach unseren Maßstäben herzlose – Abschiebung scheint ganz gebräuchlich gewesen zu sein. In Jahre später sind die Kinder kurz bei den Eltern in St. Louis und auch in Kalifornien. Beide Exkurse drängen der jungen Maya gräusliche und prägende Erlebnisse auf. Trotz aller Tragik ist I Know Why the Caged Bird Sings großenteils ein humorvolles Buch. Teils durch überraschende Formulierungen und Einsichten, teilsweise durch burleske Szenen. Die Beste davon wohl Sister Monroe in der Kirche. Kurz zuvor wird der scheinheilige, bigotte Reverend Howard Thomas charakterisiert, dann tritt die füllige Sister Monroe auf und zur ekstatischen Betterin "Preach it, I say, preach it" in der Kirche (S. 32 ff). Wie die Religion und kompromisslose Gläubigkeit zur Verdummung der schwarzen Unterklasse beiträgt gewinnt eindrucksvolle Überzeugungskraft. "It was better to be meek and lowly, spat upon and abused for this little time than to spend eternity frying in the fires of hell" (S. 110-111). So trug die Christianisierung der Sklaven zu ihrer völligen Unterwerfung und fast freiwilligen Erniedrigung bei. Und schaffte sich ihren Ausdruck in der schwarzen Musik, die immer nur eine Frage stellt: "How long, oh God? How long?" (S. 111). Die Antwort: Stillhalten und "We only had to wait on the Lord" (S. 166). Wie gravierend die Barrieren zwischen Weiß und Schwarz funktionierten zeigt, daß "a Negro couldn't buy vanilla ice cream. Except on July Fourth. Other days he had to be satisfied with chocolate" (S. 40). Auch stilistisch überzeugte mich die Biografie. Maya Angelou überrascht mit treffender Sprache und Bildern. Beispiel: "... the need for change bulldozed a road down the center of my mind" (S. 224). Neben der Religion, die auf bessere Zeiten im Jenseits vertröstet, gab es zwei Ventile für die Unterdrückten: Sport (exzellente Schilderung des Boxkampfes von Joe Louis gegen den Italiener Primo Carnera, S. 112 ff) und Musik. Während Großmutter Annie ausschließlich Hymnen zulässt (hier Mahalia Jackson gleichend, die sich ein Leben lang weigerte weltliche Songs zu interpretieren), hören die Heranwachsenden Nat King Cole, Lonnie Johnson, Count Basie, Cab Calloway, und Duke Ellington. Details siehe Die Autobiografie I Know Why the Caged Bird Sings ist sehr zu empfehlen, wenn man sich für die Situation der Afro-Amerikaner vor und während des 2. Weltkriegs in den USA interessiert. |
| Popsongs | |
| Besonders
erwähnte Songs sind S. 222: Straighten Up and Fly Right (Nat King Cole – Irving Mills) 30. November 1943, Capitol Los Angeles Nat King Cole, p, voc; Oscar Moore, g; Johnny Miller, b. Straighten Up and Fly Right wurde zum ersten Riesenhit des Nat King Cole Trios in 1944. Zitiert wird "If you can't smile and say yes, please don't cry and say no" (S. 238) aus If You Can't Smile and Say Yes (Louis Jordan – Timmie [!] Rodgers) Louis Jordan 1944; gleichnamiger Film: 1946 Nat King Cole Trio 1944-45 Nat King Cole, p, voc; Oscar Moore, g; Johnny Miller, b. Anlässlich des V-Days (I Know Why the Caged Bird Sings , S. 244) änderte Nat King Cole den Text von If You Can't Smile and Say Yes etwas ab:
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| Hier
irrt Maya Angelou "The record player on the first floor volumed up Lonnie Johnson singing »Tomorrow night, will you remember what you said tonight?«" (S. 219). Da Maya erst später 16 Jahre alt (S. 242) ist, sie erst später, genauer: zwei Tage nach dem V-Day (9.Mai 1945 Kapitulation Deutschlands) ihr High School Diplom erhält (S. 244) kann diese Erinnerung Angelous nicht stimmen. Lonnie Johnson nahm Tomorrow Night am 10. Dezember 1947 erstmals auf. Auf dem Plattenspieler lag also nicht die Lonnie Johnson-Aufnahme des 1939 komponierten Songs. Ich kenne keine frühere Aufnahme eines anderen Interpreten, was nicht sagt, daß es keine gibt. Jedoch: nicht von Lonnie Johnson. Siehe |
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| Hintergrund | |
| »I
Know Why the Caged Bird Sings was challenged by the Alabama
State Textbook Committee in 1983. It was considered "dangerous" because
it "preaches bitterness and hatred against whites."« Ich gestehe, ich weiß nicht genau, was hier das "challenged" konkret bedeutet. Gerügt? Verboten? Für Schulen verboten? Quelle: Der Buchtitel stammt aus einem Gedicht von Paul Lawrence Dunbar (1872 – 1906):
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| Links | |
| Literatur | |
| Eileen O. Jaquin: "Maya Angelou", in: Nelson, Emmanuel S., Hg.: African American Autobiographers. A Sourcebook. Westport, USA: Greenwood, 2002. S.10-28. Mit ausführlicher Bibliografie. |
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| Maya
Angelou. I Know Why the Caged Bird Sings. Random
House, 2002. Gebunden, 288 Seiten. |
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| Maya
Angelou. Ich weiß, warum der gefangene Vogel singt.
Harry Oberländer, Übs. Union, 2000. Broschiert, 282 Seiten. |
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| Maya
Angelou. I Know Why the Caged Bird Sings. Spark
Notes, 2003. Taschenbuch, 72 Seiten |
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