| Shirin
Ebadi, Azadeh Moaveni: Mein Iran. Ein Leben zwischen
Revolution und Hoffnung Die Autobiografie der Friedensnobelpreisträgerin [Iran Awakening. A Memoir of Revolution and Hope]. München: Pendo 2006. Ursula Pesch, Übs. 294 Seiten – |
| Shirin Ebadi
wurde am 21. Juni 1947 in Teheran geboren und studierte dort Jura. 1975
wurde sie Richterin am Gericht in Teheran und bald dessen Vorsitzende.
Nach der Islamischen Revolution 1979 war es aus mit dem Richterposten.
Allerdings wird ihr kurz darauf der Posten als Rechtsberaterin des
Präsidenten angeboten (S. 72). Sie lehnt ab, wie sie im Laufe ihres
Lebens noch manche Klippen oder Angebote der Kooperation ausschlägt. Spätestens hier wird Ebadis Autobiografie richtig spannend. Doch auch schon vorher bringt sie gut die politische Aufbruchstimmung, nachdem der Schah ausser Landes verjagt wurde. Sie verdeutlicht warum viele zunächst der Revolution anhingen, wie das Vertrauen allmählich verspielt wurde und in Widerstand (in begrenztem Rahmen) umschlug. Der Erste Golfkrieg zwischen dem Irak und Iran einte das persische Volk wieder. Die einzigen Gewinner des jahrelangen Kampfes (1980-88) waren die Waffenhändler, deren Herkunft Shirin Ebadi in Bonn und Virginia (steht wohl symbolisch für Deutschland und Washington D.C.) ausmacht (S. 128); siehe Shirin Ebadi arbeitete wieder als Rechtsanwälte und übernahm insbesonders hoffnungslos erscheinende Fälle der Menschenrechtsverletzung und des Mordes durch amtliche Stellen. Richtig erschütternd schildert Ebadi ein paar (typische? krasse?) Fälle zu Beginn des Kapitels "Vom Wohnzimmer in den Gerichtssaal" (S. 155-160). Im Nachwort weist das Autorinnenteam all jene in Schranken, die mit kriegslüsternen Blick meinen, man könne und solle die Demokratie und Menschenrechte im Iran gewaltsam herbeiführen. Und sie wirbt für ihre pro-Iran Haltung. Manche Leute vermissen in ihren Interviews harte Worte gegen die eigene Regierung. Doch Shirin Ebadi befürwortet entschieden eine Verbesserung der kleinen Schritte. Obwohl ich meinte, die letzen dreißig Jahre politisch wach verfolgt zu haben, wird mit Mein Iran einiges zu Persien und seinem Verhältnis zu den USA, dem Irak und der übrigen Welt klar. Mahmud Ahmadinedschad, derzeitiger Präsident des Irans, fällt nicht durch antisemitische Äußerungen auf, sondern auch, da er immer mit offenen Hemdkragen anzutreffen ist. Die Krawatte gilt als Symbol der Übel des Westens (S. 61). So sieht man: was den Persern der Tschador, ist im Westen die Krawatte. Das Sterben, der Tod und die hysterische Trauer um den religiösen Führer Ajatollah Khomeini (wahrscheinlich 17.5. 1900 Chomein – 3.6. 1989 Teheran) (S. 130-132) erinnert fatal an den ähnlichen Prozess beim Führer der Katholiken Karol Wojtyla (Johannes Paul II.) im Frühjahr 2005, der von Millionen im TV verfolgt wird. Wer Mein Iran aufmerksam liest, wird den Iran, aber auch den Islam, der wie jede Religion der Interpretation unterliegt (S. 167), mit anderen Augen sehen. Nicht der Islam ist für Rechtsverletzungen und Diskriminierung verantwortlich, sondern die sonderbare Auslegung (S. 277). |
| Die Autorenschaft der Autobiografie wird als "mit Azadeh Moaveni" angegeben. Viele Autobiografien werden mit oder alleine von einem Ghostwriter zusammengestöpselt, ohne dass dessen Name irgendwo auftaucht. Die Ebadi schreibt den Co-Autor gleich dazu. Das spricht für ihre Ehrlichkeit. |
| Sehr empfehlenswert für diejenigen, die sich über den Iran und seine gegenwärtige Situation informieren wollen. |
| Links |
Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi in Tübingen • Begrüßung von Dr. Shirin Ebadi durch Prof. Hans Küng • "Der Beitrag des Islam zu einem Weltethos" |
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| Shirin
Ebadi, Azadeh Moaveni: Iran Awakening. Rider 2006.
Gebunden, 256 Seiten |
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