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Damm
Sigrid Damm: Cornelia Goethe
Frankfurt: Insel, 2005. Gebunden, 259 Seiten – Sigrid LinksSigrid Literatur
Das kurze Leben der Schwester des Dichters Johann Wolfgang von Goethe (7. Dezember 1750 in Frankfurt am Main – 8. Juni 1777 in Emmendingen) wäre schnell erzählt. Sigrid Damm flicht daraus kenntnisreich eine ansprechende Biografie.cornelia
Die jüngere Schwester ist eng an ihren Bruder gebunden. Ihr Vater läßt sie ebenso wie den Sohn ausgiebig unterrichten, doch studieren darf sie als Frau nicht. Johann Wolfgang geht zum Studium nach Leipzig, später geht er nach Wetzlar und Weimar. Er entfremdet sich von ihr, da er dem Zeitgeist – der eine  Gleichstellung für Frauen keinesfalls vorsieht – unterworfen ist.  Cornelia heiratet 1773 den Juristen Johann Georg Schlosser. Kurz nach der Geburt der zweiten Tochter stirbt sie.
Wie in ihrer späteren Biografie über Christiane Vulpius steht auch der Dichter zur Debatte. In der Ferne vergisst er zu schnell seiner geliebten Schwester und wirft ihr auch vor, dass sie versucht ihr eigenes Leben zu führen. Damm vergleicht die Einstellung zu den Frauen von Johann Gottfried Herder, Friedrich Schiller und J.W. v. Goethe (S. 221-222). Dabei kommt der Bruder gut weg, doch zahlreiche Versäumnisse (beispielsweise schreibt er ihr in schwieriger Zeit nicht; S. 200-201) zeigen, dass ihm die Jacke näher ist als die Hose.
Erschreckend ist die klägliche Rolle, die man der Frau damals allgemein zubilligte (und von der sich bis heute einige nicht befreien konnten; siehe SigridEva Herman). Cornelias Vater scheint da schon eine löbliche Ausnahme. Vielleicht erscheint es uns aber nur aus heutiger Sicht so schrecklich; vielleicht empfanden es damalige Frauen nicht so arg, wie uns die Biografin Damm glauben läßt.
Die Unterlagen und Belege zu Cornelia sind spärlich, die handfesten Umstände dünn. Das zwingt Damm öfters zum Vermuten: sie fasst es in Fragen. Manchmal fabuliert sie zu munter. So schreibt sie über ein Konzert, das Cornelia besucht: "Es bekommt vielleicht eine besondere Bedeutung für Cornelia, bleibt ihr unauslöschlich im Gedächtnis" (S. 45). Da ist das vorsichtige "vielleicht" verfehlt.
Wie immer in ähnlichen Biografie stört es mich, wenn der Dichterfürst oft mit "Goethe" benannt wird, die Schwester aber mit "Cornelia".
Über das Leben der Cornelia Schlosser, geborene Goethe, erfährt der Leser viel zur Stellung der Frau im 18. Jahrhundert. Jeder Rückschritt darauf hin wäre bedauernswert.
Sigrid Damm versteht es in einem eigenwilligen Stil (viele Nominalphrasen) das kurze Leben Cornelias lebendig nachzuzeichnen. Ihre Interpretationen sind oft als solche erkennbar. Wörtliche Rede setzt sie nur da ein, wo sie belegt ist. Empfehlenswert für Leser, die sich für Johann Wolfgang, sein Umfeld und seine Zeit interessieren oder die mehr über die Verhältnisse im Bürgertum des 18. Jhdts. erfahren wollen.
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