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Veza Canetti: Die Schildkröten
Veza Canetti: Die Schildkröten
München: Hanser 1999. 287 Seiten
Wien unter brauner Herrschaft vor dem 2.Weltkrieg ist die bestimmende Kulisse dieses Romans. Die Autorin schildert darin jüdische Bürger, die immer mehr unter den Einfluß der Rassisten geraten und sich wie Schildkröten unter einen vermeintlichen Panzer zurückziehen. Die allmähliche Verschärfung der Druckmittel und Grausamkeiten wird überzeugend geschildert. "Wer Gehorsam leistet, hat nichts zu fürchten" deckt sich verblüffend mit der Beschwichtung zum Lauschangriff: Die Telefonate werden zwar überwacht, doch der Gesetzestreue hat dabei nichts zu fürchten. - "Die Jagd bei den Kopfjägern unter den Wilden? Nein, wir sind unter Deutschen." Ach, hätten doch viel mehr den zweiten Satz richtig verstanden. - Der Gipfel des Sarkasmus dann: "Wer stirbt, ist nicht wert, daß er lebt." Als die Romanfiguren endlich erkennen, daß sie aus diesem geistigen Hetzkessel heraus müssen, fassen sie einen Fluchtplan.
Es gelingt Veza Canetti, auch mit Hilfe vieler Metaphern, den sich steigernden Hass und seine Begründung ("Der Führer säubert nur ihre Reihen...", "Darum müssen wir sie vernichten, damit sie uns nicht umbringen"; das erinnert schon merkwürdig an "das Boot ist voll") atmosphärisch zu beschreiben. Lesenswert.
Veza Canetti (1897 Wien – 1963 London) war mit Elias Canetti verheiratet. Sie emigrierten 1938 nach London.
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Veza Canetti. Die Schildkröten. München: Hanser, 1999. Gebunden, 287 Seitenveza canetti Veza Canetti: Die Schildkröten

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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 11.3.2003