| Hiltrud
Häntzschel: Irmgard Keun Reinbek: Rowohlt, 2001. Taschenbuch, 157 Seiten – |
| Das Leben der Schriftstellerin Irmgard Keun
spiegelt die europäische Geschichte des 20. Jahrhunderts
wider. Nach einigen Versuchen in anderen Metieres fand Irmgard Keun mit
dem Schreiben ihre Begabung, hatte Anfang der 30-er Jahre erste
Erfolge, versuchte sich mit dem Dritten Reich zu arrangieren,
scheiterte und ging ins Exil. 1940 kehrt sie illegal nach Deutschland
zurück. Nach 1945 schreibt sie wieder. Sie kann viele
Geschichten in Zeitungen unterbringen, ihre Werke sind beachtet und
sogar in Leseringen und Bücherklubs vertreten (S. 133), mehr
aber nicht. Nach einer "Stern"-Reportage 1977 feiert Irmgard Keun ein kurzes Comeback. Sie erhält 1981 den ersten und letzten Literaturpreis (S. 137), den Marieluise-Fleißer-Preis (siehe |
| Leider war die Autorin schon vor 1933 dem Alkohol hingegeben (S. 48). Ihr Zusammenleben mit dem Alkoholiker Joseph Roth (1936-1938) paßt zur Sucht. Ab 1946 ist sie wegen Alkohol- und Tablettenkonsums in Kliniken, zuletzt 1972. |
| Ihre großen Erfolge mit Gilgi und Das kunstseidene Mädchen gaben ihr den Weg vor. Doch die Nazis setzten ihre Werke auf schwarze Verbotslisten. Talent und Können war den Braunen immer verdächtig. 1936 stellt Irmgard Keun den Antrag auf Aufnahme in die Reichsschrifttumskammer, die Voraussetzung für weitere Publikationen. Der Antrag wird abgelehnt. Um weiter ernsthaft veröffentlichen zu können muß die Keun ins Ausland gehen. |
| Im
Oktober 1932
heiratet die Autorin Johannes
Tralow (siehe |
| Die
kundige Biografin Hiltrud
Häntzschel beschreibt umfassend den
Werdegang der Keun. Dem
Leser wird klar, warum Irmgard Keun nach 1935 und besonders nach 1945
als Autorin
außer Tritt geriet: Exilanten waren nicht gefragt; in der
Buchbranche waren – wie in so vielen Bereichen –
die alten Nazis maßgebend (siehe |
| Hiltrud Häntzschel bespricht die meisten Werke Keuns eingehend bezüglich Entstehung, Inhalt, Bedeutung und Wirkung. |
| Eine sehr gelungene Biografie der phasenweise vernachlässigten und gelobten Autorin Irmgard Keun. |
| Wer
seit Jahrzehnten den inzwischen
eintönig gewordenen Stil von Rowohlts Monographien gewohnt
war, wird bei dieser (wenn nicht schon früher) Biografie
freudig überrascht sein. Farbliche Hervorhebungen und mehr
abgesetzte Textkästen pulvern das Layout auf. Leserfreundliche und damit gut gelungen! |
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