| Buchrezensionen und Autorenporträts in den
Zeitungen sind teilweise fürchterlich |
| Die Buchrezensionen und
Autorenwürdigungen in den Zeitungen sind teilweise fürchterlich.
Selten weiß ich am Ende: ist das Buch jetzt lesenswert oder nicht; oft
weiß ich nicht einmal, ist es ein Krimi oder eine Biografie oder
was-immer. Ein abschreckendes Beispiel aus einer Autorenwürdigung (von
Ingo Schulze zum Büchner-Preis für Wolfgang
Hilbig, SZ 4.5.2002, S.13): "Vorausgesetzt, der Teufel hätte sich in den letzten Jahrzehnten darüber Gedanken gemacht, mit welchem deutschen Schreiber es sich überhaupt noch lohnen würde, einen Pakt zu schließen er wäre schnell beim Dichter Hilbig erschienen." Soweit, so gut. Ein Einstieg, der packt und ein spannendes Autorenporträt verheißt. Doch weit gefehlt. Nachdem Ingo Schulze die Weisheit aus jeder Schriftstellerschule von einem fesselnden ersten Satz voll umgesetzt hat, wird er beim zweiten Satz auf eigenes Können zurückgeworfen und scheitert sofort. Er schreibt weiter [Einfügungen von mir]: "Junker Volands [wer ist Junker Voland? Wird wohl noch erklärt werden] Kalkül hätte auf die Differenz von Begabung und Verhältnissen [nochmals lesen; was ist diese Differenz, eine mathematische Operation des Kalküls, zwischen zwei völlig verschiedenen Begriffen] gesetzt. In Meuselwitz, Kreis Altenburg, [kenne ich nicht, wird's wohl geben] hätte sich Voland [wurde immer noch nicht vorgestellt; ich dachte es geht um Hilbig und allenfalls um Büchner] wohl gefühlt und beim Anblick der Hilbigschen Familienverhältnisse [jetzt werden wenigstens die Verhältnisse aus der Differenz des Kalküls präzisiert], wo der analphabetische Großvater an die Stelle des in Stalingrad gebliebenen Vaters rückt, einiges offerieren können [Subjekt des Satzes? Ah, ja, Junker Voland. Er hätte sich wohl gefühlt und was offerieren können]." Bis jetzt habe ich nichts verstanden, vor allem da ich die Subtraktion von Begabung und Verhältnissen nicht beherrsche. Wird mir endlich gesagt, was Junker Voland ist? Der vierte Satz wird kurz überflogen, handelt wieder von Voland, OK, vergiß es, ich wollte was über Hilbig lesen; war wohl nicht für mich. |