Email  zurück zur Homepage eine Stufe zurück
Fjodor Dostojewskij
Fjodor Dostojewskij. Böse Geister
Frankfurt am Main: Fischer, 2000. Taschenbuch, 962 Seiten. Übersetzerin: Swetlana Geier
Die vielgerühmte Übersetzerin Swetlana Geier zog es vor, den bekannten Titel Die Dämonen durch Böse Geister zu ersetzen. Ich meine, damit kommt der Bezug zum eingangs zitierten Gleichnis aus Lukas 8, 32-36, besser zum Ausdruck.
Wow!! ich bin die über 900 Seiten durch und müßte eigentlich nochmal von vorne anfangen. Dostojewskij zeichnet ein weitverzweigtes Personendrama in einer kleinen russischen Stadt. Sobald mir die Beziehungsstrukturen einigermaßen klar wurden, hatte ich schon vierhundert Seiten gelesen. Nach dieser "Einleitung" gewinnt die Handlung an Saft, die einzelnen Personen haben Kontur und das psychologische Geflecht zieht die Spannungsfäden.
Abwechselnd stehen verschiedene Personen im Mittelpunkt, eingerahmt vom Schicksal des alternden Stepan Trofimowitsch. Eine Fünfergruppe – von bösen Geistern gesteuert? – lehnt sich gegen Tradition und Religion auf. Da stoßen sie beim gläubigen Fjodor aber an den Falschen: alles endet in Katastrophen. Der Roman lebt von den einzelnen großartigen Erlebnissen und Gesprächen.
  • Das Ende eines Festes: "Von der Polizei keine Spur. Die Musik hatte man nicht fortgelassen und diejenigen Musikanten, die gehen wollten, verprügelt. Gegen Morgen lag »Prochorytschs Aufbau« in Trümmern. Man trank bis zur Besinnungslosigkeit, tanzte Komarinskij ohne Zensur, beschmutzte die Räume, und erst im Morgengrauen zog ein Teil dieser Kumpane stockbesoffen an die bereits verlöschende Feuerstätte zu neuen Heldentaten ..." (718). Hat man sich nicht so russische Gelage immer vorgestellt?
  • Klage über die Literatur: "...der seine Beamtenlaufbahn zugunsten der russischen Literatur aufgegeben hatte und demzufolge bereits auf durchgelaufenen Sohlen, zähneklappernd vor Kälte, in einem Sommerpaletot im Spätherbst herumstolzierte, ..." (408). "Man unterhielt sich auch über Literatur, aber in schicklichen Grenzen" (409).
  • Nicht fehlen soll: "Fakten, Fakten und nochmals Fakten, ..." (406). Vergleiche markwort Markwort, Focus
Nicht einmal lesen, nein mindestens zweimal. Es lohnt sich.
Literatur
Rinser, Luise: "Fjodor M. Dostojewskij. Böse Geister". In: Fritz J. Raddatz, Hg.: ZEIT-Bibliothek der 100 Bücher. Frankfurt 1980. S. 291-294; Raddatz Übersicht
  Bei Amazon nachschauen
Böse Geister. Frankfurt am Main: Fischer, 2000. Taschenbuch, 962 Seiten. Übersetzerin: Swetlana Geier dostojewskij

Fjodor Dostojewskij
Email  zurück zur Homepage eine Stufe zurück
© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 22.10.2002