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Josef Dirnbeck. Die Inquisition. Eine Chronik des Schreckens
Josef Dirnbeck. Die Inquisition. Eine Chronik des Schreckens
Augsburg: Pattloch, 2001. 560 Seiten – Josef DirnbeckLiteratur zur Inquisition
Ein erstaunliches Kompendium. Nach Beginn der Lektüre war ich verwundert (und zugegeben: etwas enttäuscht). Ich fand kein Draufhauen, keine ausschmückende Gräuelschilderungen: nach kurzen Einführungen zu den Kapiteln folgen Originaldokumente, Zeitzeugen, teilweise neu übersetzt vom Autor Josef Dirnbeck.
Zu den berühmtesten Opfern der Inquisition zählen bekanntlich Galileo Galilei, Jan Hus, Jeanne d'Arc, Girolamo Savonarola und Giordano Bruno. Ihr Schicksal wird ausführlich dargestellt; auch die Verfolgung der "Hexen", Waldenser, Katharer, Templer, Juden und Moslems – wahrhaftig eine Chronik des Scheckens!
Die Einführungen zu den Abschnitten und Kapiteln sind variabel: mal erklärend, nötiges Vorwissen vermittelnd, Hintergründe aufklärend, mal wieder knapp das nachfolgende Dokument kennzeichnend, wie z.B. auf Seite 327 im Kapitel "Die Tragik des Jan Hus":
Der Historiograf Johann Stumpf (1500–1578) hat in seiner Beschreibung des Konzils von Konstanz einen anhand überlieferter Augenzeugenberichte gestalteten “Bericht über die Verbrennung des Hus” gegeben.
Im Bericht selbst lesen wir dann sogar mal amüsant:
Von dem Bauern, welcher Holz herbeitrug, über den Hus sich lächelnd äußerte: “Sancta simplicitas” [“Heilige Einfalt”]
Dirnecker glättet manchmal, relativiert oder beschönigt (man wähle je nach Standpunkt das Verb), so wenn er betont, daß der eine oder andere Ketzer und Häretiker die Chance gehabt hätte zu widerrufen, dass ihm die Folterknechte der Inquisition "goldene Brücken zu bauen" (319) versuchten. Dabei verkennt er nicht nur, dass nicht jeder der Kirche ums Maul reden wollte und dass selbst Zusicherungen freien Geleits nicht eingehalten wurden (320) oder "Geständnisse" keineswegs zur Straffreiheit führten, sondern allenfalls statt Scheiterhaufen zu lebenslänglichem Kerker.
Schon nach wenigen Kapiteln merkte ich, dass die nüchterne Methode des Autors viel wirksamer ist, als nachträgliche, zornerfüllte Schuldzuweisung. Ich erkannte an den Originalaussagen, dass die Inquisition, Ketzerverfolgung und der Umgang mit Häretikern bedeutend inhumaner war, als ich bisher annahm. Beispiel: Als die Christen im Jahre 1244 Béziers belagerten und stürmten waren in der Stadt Katholiken und Häretiker gemischt. Da frugen die Landsknechte Abt Arnold von Citeaux, den späteren Erzbischof von Narbonne: "Herr, was sollen wir tun? Wir können nicht zwischen Guten und Bösen unterscheiden". Der Abt antwortete kaltschnäuzig: "Tötet sie, denn der Herr kennt die Seinen!" Dabei bezog er sich auf das Neue Testament: "Der Herr kennt die Seinen" (2 Tim 2,19) (140–141).
Dirnecker stellt Zeitbezüge her.
Als dem weltweit bekannten Tübinger Theologen Hans Küng im Jahr 1979 von den römischen Behörden die Lehrbefugnis entzogen wurde, gab er im Zweiten Deutschen Fernsehen vor laufender Fernsehkamera folgende Erklärung ab: “Ich schäme mich meiner Kirche, dass noch mitten im 20. Jahrhundert diese Kirche geheime Inquisitionsverfahren durchführt.” (42)
Für den aufmerksamen Leser werden dadurch die heutigen zauderlichen (bayrisch: halbscharigen) Entschuldigungen der katholischen Kirche unglaubwürdiger als jede noch so berechtigte Entrüstung.
Bevor ich es vergesse: das Buch ist mit prächtigen Farbfotos ausgestattet und nicht nur deshalb eine Zierde jeder Bibliothek.
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Josef Dirnbeck. Die Inquisition. Eine Chronik des Schreckens. Augsburg: Pattloch, 2001 Josef Dirnbeck. Die Inquisition

Josef Dirnbeck. Die Inquisition. Eine Chronik des Schreckens
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 1.1.2002