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Peter Milger.Die Kreuzzüge. Krieg im Namen Gottes
Peter Milger. Die Kreuzzüge. Krieg im Namen Gottes.
München: Orbis, 2000. Gebunden - 318 Seiten – Peter MilgerLiteratur zu den Kreuzzügen
Ein erstaunliches Buch! Ein zwiespältiges Buch. Peter Milger ist Wissenschaftsjournalist beim Fernsehen. Laut Klappentext hat er am Buch und der gleichnamigen Fernsehserie fünf Jahre lang gearbeitet. Und das glaubt man ohne weiteres, wenn man sich etwas in das Buch eingearbeitet hat. Einarbeiten muß man sich, denn es ist nicht so einfach zugänglich, was verwundert, da es als Fernsehserie für ein breites Publikum zugeschnitten wurde.
Die Kreuzzüge bietet eine Fülle von Material, viele Quellen werden zitiert. Oft kommen zu einzelnen Ereignissen verschiedene Chronisten und Dokumente zu Wort. Man kann vergleichen und (muß) sich selbst ein Bild machen.
Die Kreuzzüge ist auch deshalb keine einfache Lektüre, weil die Tatbestände ungeheuerlich sind. Hatte ich bisher die Kreuzzüge für verwerfliche Auswüchse christlicher Fanatiker gehalten, so mußte ich mein Urteil gründlich revidieren.
  • Die Kreuzzüge wurden von höchsten kirchlichen und weltlichen Stellen angeordnet,
  • es wurde dafür geworben; Sündenablässe wurden ausgelobt,
  • es nahmen nicht Fanatiker teil, sondern ganz normale Christen, die den Hof verkauften, die Familie in Stich liessen und dem Aufruf der Päpste folgten.
    “Die Armen beschlugen ihre Ochsen mit Eisen, spannten sie vor zweirädrige Karren, luden daruaf ihre winzigen Vorräte und kleinen Kinder und zogen sie so hinter sich her. Sobald die Kleinen eine Burg oder ein Stadt sahen, fragten sie, ob das Jerusalem sei ...” Guibert von Nogent, Die Kreuzzüge, S.15
  • es wurde gemetzelt und gemordet – Milger beschreibt es anhand der Dokumente unverblümt – so daß man beim Lesen losbrüllen möchte; Kindern und Jugendlichen mit zarter Natur kann man dies Buch nicht empfehlen; deshalb bringe ich hier auch keine Zitate aus dem Buch zum Gemetzel in Ungarn 1096, zur Eroberung Antiochias 1098, zum Massaker von Jerusalem 1099, usw.; ein paar, eher harmlose Zitate findet man unter Urban II. und Bernhard von Clairvaux.
  • dreihundert Jahre lang war das Christentum die Terrororganisation Europas und Vorderasiens (anschliessend terrorisierte die Inquisition die Bevölkerung Europas).
Trotz der guten Aufbereitung des Materials, die Vergleiche unterschiedlicher Chronisten erlaubt, die auf die Beschönigungen durch Klerus und Geschichtswissenschaft verweist, gibt es doch einiges auszusetzen:
  • Das Material wird zwar im wesentlichen chronologisch dargeboten, doch man verliert sich darin, weiß nicht, wo man steht (der wievielte Kreuzzug wird gerade behandelt?), da eine Kapitelnummerierung fehlt und auf den Seiten kein Kapitelhinweis vermerkt ist.
  • Das Buch ist mit wunderschönen Miniaturen und Farbfotos ausgestattet. Die Ereignisse selbst werden auf den Miniaturen dargestellt, diese stammen aus den unmittelbar folgenden Jahrhunderten, so bis 1500. Sie gaukeln schöne Unternehmungen vor und stehen konträr zum blutdurchtränkten Geschehen und Text.
Trotz der Einwände ist Die Kreuzzüge. Krieg im Namen Gottes sehr empfehlenswert für alle, die kompetent über diese Jahrhunderte mitdiskutieren wollen.
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Peter Milger. Die Kreuzzüge. Krieg im Namen Gottes.
München: Orbis, 2000. Gebunden - 318 Seiten
Peter Milger Kreuzzug

Peter Milger.Die Kreuzzüge. Krieg im Namen Gottes
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 4.1.2002