| Sylvia Nasar: A Beautiful Mind New York: Simon & Schuster Books 1999. 459 Seiten |
| Wer hier Johnny
Nash, den Sänger von "I Can See Clearly Now" erwartete, hat
Pech. |
| Jeder der sich mit Spiel- oder Entscheidungstheorie befasst lernt das Nash-Gleichgewicht kennen. Beim Gefangenendilemma (Prisoner's Dilemma) als Prototyp eines nicht-kooperativen Spiels kann es ein strategisches Gleichgewicht geben, das Nash-Gleichgewicht, bei dem kein Spieler die Notwendigkeit sieht, sein Verhalten zu ändern. A Beautiful Mind ist die Biografie des genialen Mathematikers John Forbes Nash jr., der hierzu bahnbrechende Erkenntnisse vorgelegt hat. |
![]() © Sylvia Nasar |
Als die Autor Sylvia Nash,
seinerzeit noch Reporterin der New York Times, am 9.November 1999 nach
München zur Vorstellung der deutschen Übersetzung ihres Buches kam,
war ich dort. Die englische Originalausgabe kam beim
Eher durch Zufall sah ich, daß dieses Buch in der |
| Trotz fast vierhundert Seiten Text auf großem Buchformat
liest sich das Buch sehr flüssig. John Nash jr. wurde am 13. Juni 1928 in
Bluefield, Virginia, geboren, fiel bald durch seine mathematische Begabung auf,
studierte am Carnegie Institute of Technology, Pittsburgh, und in Princeton,
New Jersey. Zügig kommt die Biografie zu Nashs Studienzeit und hier zeigt
eine erste Qualität des Buches: Konzentration auf Wichtiges. Ein zweites
Plus ist es, daß man beiläufig über die akademische Situation
in den USA erfährt, das Leben auf dem Campus, die Integration der vielen
Wissenschaftler, die in Deutschland rausgeekelt wurden oder schlimmer, unter
Lebensbedrohung aus Europa flüchteten: "Practically overnight, Princeton
had become the new Göttingen" (54). Von Nashs erstem Lehrer in Princeton
Solomon Lefschetz ging die Legende, er habe nie einen korrekten Beweis
niedergeschrieben aber auch nie ein unkorrektes Theorem behauptet (59). Wer wie
begabt war hatte ein feines Leben, man bestand die Prüfung alleine schon
dadurch, daß man versprach den Stoff später zu lernen (60). Diese
Beispiele zeigen schon, wie es Nasar gelingt, die trockene Materie lesenswert
zu machen. Sie beschreibt keine fiktiven Szenen. Alle wörtlichen Reden
werden über Fußnoten belegt. Darin gibt sie eine gute Mischung aus
den wenigen zeitgenössischen Quellen und den nachträglich
abgefragten. Während einer glänzenden Karriere am MIT, Cambridge,
Mass., und in Princeton veröffentlicht Nash einige bahnbrechende Arbeiten
zur Spieltheorie. Doch schon Ende der 50er Jahre bricht eine schwere psychische
Störung des Genies hervor. Fast dreißig Jahre versinkt er in die
Schizophrenie. Erst Mitte der 80er Jahre findet Nash allmählich wieder zum
rationalen denken zurück und erhält 1994, zusammen mit John
Harsanyi und Reinhard Selten den
Nobelpreis für Wirtschaft. Sylvia Nasar garnierte viele Kapitel mit Zitaten großer Geister, dem Kapitel 44 "A Man All Alone in a Strange World" stellte sie einen treffenden Dreizeiler aus dem Für die Biografie eines Mathematikers ein einfühlsames, lesenwertes Werk. Wer vor mathematischem Formelkram Angst hat: es kommen kaum welche vor; man müßte sie suchen. Man vermisst eher eine kompetente Einführung in die mathematische Gedankenwelt. Doch andrerseits: versucht sich ein Laie an sachfremden Stoff und scheitert, wird er/sie zurecht gescholten. Sylvia Nasar hat sich weise zurückgehalten, Pseudowissen zu vermitteln. |
| Literatur |
Sylvia Nasar, John Nash, Reinhard Selten. © Sylvia Nasar |
| Sylvia Nasar |
| geboren in Rosenheim; aufgewachsen
in New York, Washington, DC und Ankara. Sie studierte Literatur am Antioch
College; M.A. in Economics an der New York University. |
| USA TODAY's Top 150 best-selling books list 01/31/2002 |
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