| Manzoni, Alessandro. Die
Verlobten. Eine Mailändische Geschichte aus dem 17.
Jahrhundert [I promessi sposi]. Aus dem Italienischen übersetzt und eingeleitet von Otto von Schaching. Augsburg: Bechtermünz 2001. 827 Seiten |
| Gleich zu Beginn platzt eine Hochzeit
aus ungewöhnlichen Gründen. Erst achthundert Seiten später kann
die ersehnte Zeremonie stattfinden. Dazwischen liegt ein spannender Roman nicht
nur der Verlobten und der ihnen übel wollenden Mächte, sondern
über die verworrene Lage in Oberitalien am Anfang des 17. Jahrhunderts.
Nach dem Verfahren bekannter Schauerromane (Walter Scott war Manzonis Vorbild),
z.B. Charles Maturin: Melmoth the Wanderer,
wirft Manzoni viele ausführliche Geschichten in der Geschichte ein. Diese
fügen sich völlig ungezwungen ins Geschehen. So lesen wir im 9. und
10. Kapitel erschüttert, wie Gertrude, eine Tochter aus gutem Hause,
zermürbt wird, damit sie "freiwillig" den Schleier nimmt. Der Fürst
" unser Herz erlaubt uns nicht, ihm den Namen Vater beizulegen "
tut es nicht "um der Familienehre willen" (wie uns Kindlers Literatur Lexikon
weismachen will), sondern aus Habgier. Weiters sind großartige
Beschreibungen des Mailänder Brotaufstands und der Pest in Oberitalien
inbegriffen. Ab dem 21. Kapitel flacht die Spannung ab, die Stimmung wird
bigott, vieles löst sich vorzeitig in Wohlgefallen auf, so als ob Manzoni
den Roman hier schon ausklingen lassen wollte. Doch nach dem 25. Kapitel ist
diese Durststrecke (nicht langweilig; nur die Handlung stockt) überwunden
und man fiebert mit Lucia, Agnes und Renzo weiter. Unter dem Vorwand, Kopfweh
zu haben, traute sich Don Abbondio zu Beginn die Verlobten nicht zu trauen.
Jahre und achthundert lesenswerte Seiten später frägt Renzo: "Herr
Pfarrer, ist Euch nun wohl das Kopfweh vergangen ...?" (806). Ohne Aspirin oder
ähnliches ist es tatsächlich verfolgen. Ich las die Übersetzung von Otto von Schaching. Es gibt weitere von Alexander Lernet-Holenia, Ernst Wiegand Junker und Burkhart Kroeber. |