| Eduard
von Keyserling. Dumala Berlin: Aufbau, 1976. 120 Seiten |
| Vor einiger Zeit hat mich der beim
Wasserburger Literaturstammtisch gelesene kleine
Roman Wellen von Eduard von Keyserling
beeindruckt. Dumala ist noch kürzer und sogar besser, da etwas
dramatischer als die psychologische Studie Wellen, obwohl auch hier die
Psychologie (und Philosophie) nicht zu kurz kommt. Die schöne Baronin Karola Werland pflegt auf Schloß Dumala ihren kranken Ehemann. Drei Männer sind in sie verliebt: der verheiratete Pastor Erwin Werner, der junge Sekretär des Barons Karl Pichwit und der benachbarte Baron Behrent von Rast. Erwin Werner betreut die Gemeinde Dumala und ist glücklich (?) mit Lene verheiratet. Sie beginnen den Roman mit gemeinsamer Hausmusik und dem Lied nach Heinrich Heine "Lied an das Meer". Der Leser weiß nicht, welche Vertonung Erwin und Lene aufführten. Doch ist das Lied nicht unbedeutend. Man muß es nur aufmerksam zu Ende lesen: "Ich hab von deiner weißen Hand / Die Tränen fortgetrunken." (Zeilen11-12). Erwin will die von der Arbeit geröteten Hände seiner Frau wieder weiß machen. Dazu empfahl ihm Baronin Huhn ein Wasser. Doch Lene spürt, daß da mehr ist (40). Sie spürt die Verliebtheit ihres Mannes, bevor dieser ihrer bewußt wird. Keyserling packt mehr hinein als Gemeindeleben, Liebe und Eifersucht. Mit dem pflegebedürftigen Baron ist ein weiteres Thema gegeben: der Verfall des Adels. Wenn es ganz still war, konnte man den Verfall sogar hören: die Mäuse nagen hinter dem Getäfel in Schloß Dumala (45). Auch geistig ist der Verfall feststellbar. Das Leben des Adels ist eine einzige, langweilige Kaffeestunde (34). Der Kurzroman Dumala ist ein "doublepack" von verhaltener Dramatik und sanfter Melancholie und sehr empfehlenswert. |
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| Eduard von Keyserling.
Dumala. Ullstein, 1999. Taschenbuch, 126 Seiten |
| Lied ans Meer, soweit ich weiß, so nicht bei
Heinrich Heine überschrieben, siehe |
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