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Marlen Haushofer
Keyserling, Eduard von: Fürstinnen
Göttingen: Steidl, 1999. 198 Seiten – Schriftsteller Eduard von Keyserling
In Fürstinnen behandelt Keyserling noch einmal seine Hauptthemen: Niedergang des baltischen Adels (vergleiche: Dumala) und Ausbrechen aus den Konventionen (vergleiche: Wellen). Hier sind es drei Fürstinnen (eigentlich vier, auch die Mutter tändelt mit dem Gedanken sich als Witwe nochmals zu verlieben) deren Übergang von Kindheit in Jugend und Erwachsensein in zarten Bildern geschildert wird. Gerade die Jüngste, Marie, merkt, daß sie von den Normen ihrer durchlauchten Familie eingesperrt ist. Sie will aus diesem Leben herausschlüpfen, "um einen guten Augenblick zu genießen" (11), sie will sich "an das Süße, Wilde, Verbotene des Lebens klammern" (143). Marie schließt Freundschaft mit Hilda, die ähnlich denkt wie sie und sich die ersehnten Freiheiten einfach genommen hat. Sie verliebt sich unstandesgemäß in Felix, der zudem als Leutnant ständig mit Spielschulden zu kämpfen hat. Tante Agnes (Prinzessin) zeigt Marie die Schranken ihres Standes auf: "Nein, das Leben ist eben kein Tanzsaal" (143).
Bemerkenswert ist, daß Keyserling hier – wie bereits in Dumala – das Motiv der roten, arbeitenden und weißen, adeligen Hände wiederholt (106-107). Es stammt teilweise aus Heinrich Heines "Lied ans Meer".
Keyserling erzählt viel von den Ausflügen und Ausritten in die Umgebung des fürstlichen Schloßes. Er beschreibt farbenreich, obwohl (gerade weil) er bei Abfassung des Romans bereits erblindet war. Doch er deutet in der ersten Hälfte des kurzen Romans die Konflikte nur an. Für den heutigen Leser ist das Treffen zweier Verliebter am Gartenzaun, bei dem nur wenige Worte gewechselt werden, schwer als Provokation vorstellbar.
So ist Fürstinnen nur Leserinnen und Lesern zu empfehlen, die ein Gespür für pastellfarbene, märchenhafte Geschichten haben. Wer Keyserling noch nicht kennt, dem empfehle ich Dumala oder Wellen als Einstiegslektüre.
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keyserling Eduard von Keyserling FürstinnenEduard von Keyserling. Fürstinnen. Göttingen: Steidl, 1999. Gebunden, 198 Seiten

Eduard von Keyserling Fürstinnen
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