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Jaroslav Hasek Abenteuer  Soldaten Schwejk Rezension
Jaroslav Hasek. Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk
[Osudy dobrého Vojáka Svejka] Grete Reiner, Übs. Illustriert von Josef Lada. Reinbek: Rowohlt, 1982. 732 Seiten
Nach der Lektüre von Haseks Schweijk bin ich überrascht.
  • Es ist eine erstaunliche Satire für eine Zeit, die Obrigkeitsdenken und Soldatenehre hochhält (erschienen 1920-21). Keinesfalls ist es eine Klamauke in der Art billiger Landserhefte oder -witze.
  • Der gesamte militärische Apparat wird durch den Kakao gezogen, wie es erst wieder AFAIK in Catch-22 geschieht.
  • Der Krieg wird als Absurdität entlarvt.
  • Der stark dialogorientierte Roman ist eine moderne Lektüre. Es besteht zwar eine chronologische Ordnung, die mir jedoch unwichtig erschien. Der Einstieg in das Werk ist an fast jeder Stelle möglich. Die Dialoge sprechen eine Vielzahl von Themen in kleinen Erzählzellen an.
  • Die Übereinstimmungen zu Joseph Hellers Catch-22 sind überwältigend.
Der Inhalt von Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk ist schnell umrissen. Der Tscheche Josef Schwejk wird unter dem österreichisch-ungarischen Kaiser in den 1. Weltkrieg eingezogen. Er begegnet dem ganzen Wirrwarr, der durch seine Pflichterfüllung, seinWörtlich-nehmen der Befehle, seine entwaffnende Naivität und seinem klaren Menschenverstand entsteht, mit stoischer Ruhe und überwältigendem Humor. Beides äußert sich in einem unerschöpflichen Reservoir an Anektoden, die Schwejk in jeder Lage zum Besten gibt. Er wird keinesfalls durch die absurde Kriegsbürokratie verstört, sondern höchstens wenn er, verhaftet und von einem Gefreiten bewacht, mit diesem keinen Dialog führen kann.
Die Situationskomik hat viele Höhepunkte im Schwejk. Er wird beispielsweise ohne Papiere aufgegriffen und vom Wachtmeister Flanderka verdächtigt, russischer Spion zu sein (S. 264 ff).
Die Hiebe gegen Krieg und Militär sind keineswegs zahm. So entwickelt der erstaunlich hellköpfige Einjährigfreiwillige eine Theorie über die Nützlichkeit der Vergewaltigung im Krieg (S. 315).
Der Leser weiß am Ende nicht: war Schwejk naiv dumm oder bauernschlau, war er inkompetent oder überstand er das groteske Theater aufgrund tieferer Einsicht. Seine detailreichen Anektoden beweisen zumindest ein phänomenales Gedächtnis für Namen und Einzelheiten, die er teilweise auch wieder nur erzählt bekommen hatte. Manche Rezensenten meinen, daß sich Schwejk verstellte um heil durchzukommen; er sei also eigentlich höchst schlau. Sie haben dafür gute Argumente. Ich meine, er hatte guten Menschenverstand und legte durch seine etwas einfältige (nicht abwertend gemeint) Naivität die Absurdität des militärischen Spetakels offen.
Ich muß allerdings zugegeben: nach 500 Seiten ermüdete mich die Aneinanderreihung der Episoden. Vielleicht habe ich den Schwejk aber falsch gelesen. Man sollte ihn sich häppchenweise geben. Das werde ich künftig noch gelegentlich tun.
Der Schwejk: ein umwerfendes anti-militärische Panoptikum.
Links
hasek Jaroslav Hasek: Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk und Joseph Heller: Catch-22.
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Literatur
Kohout, Pawel: "Jaroslav Hasek. Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk". In: Fritz J. Raddatz, Hg.: ZEIT-Bibliothek der 100 Bücher. Frankfurt 1980. S. 342-345; Kohout Übersicht
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Jaroslav Hasek. Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk I und II. Josef Lada (Illustrator). Reinbek, Rowohlt, 2000. Broschiert, 365 und 321 SeitenJaroslav Hasek

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