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Georg Trakl Im Winter
Georg Trakl: "Im Winter"
3.2. 1887 Salzburg – 3.11. 1914 Krakau
Im Winter

Der Acker leuchtet weiß und kalt.
Der Himmel ist einsam und ungeheuer.
Dohlen kreisen über dem Weiher
Und Jäger steigen nieder vom Wald.

Ein Schweigen in schwarzen Wipfeln wohnt.
Ein Feuerschein huscht aus den Hütten.
Bisweilen schellt sehr fern ein Schlitten
Und langsam steigt der graue Mond.

Ein Wild verblutet sanft am Rain
Und Raben plätschern in blutigen Gossen.
Das Rohr bebt gelb und aufgeschossen.
Frost, Rauch, ein Schritt im leeren Hain.
Interpretation
Im Winter, doch von üblicher Naturlyrik keine Spur.
Acht Aussagesätze, fünf davon einzeilig. Jede Strophe hat einen zweizeiligen Aussagesatz, die jedoch aus zwei einfachen Aussagesätzen gebildet sind. Die letzte Zeile schließlich ist eine kurze Aufzählung.
Der Leser muß eine kalte Natur verkraften. Die Belebungen, die der Dichter zuläßt, sind ebenso bedrohlich. Dohlen und Raben sind eher todbringend, die Jäger töten, das Wild verblutet; selbst das Rohr ist aufgeschossen und damit doppeldeutig.
Genau in der Mitte des Gedichts gibt es doch eine menschliche Fühlungnahme. Doch das lebensbegleitende Feuer huscht aus den Behausungen heraus, der Schlitten ist nur sehr fern zu hören. Am Ende verheißt ein Schritt im leeren Raum ohne Person keine Entlastung.
In jeder Strophe klingt der Winter je einmal direkt an: "weiß", "Schlitten", "Frost"; wenn man das Gedicht liest klingt krasse winterliche Stimmung aus jeder Zeile.
In dieser Welt sind einzig grausige Kälte und unbarmherziger Tod vorhanden.
Links
TraklGeorg Trakl , Projekt Gutenberg
TraklGeorg Trakl (1887 - 1914), bibliotheca Augustana

Georg Trakl Im Winter
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 23.11.2002