| Imre
Kertesz. Roman eines Schicksallosen Reinbek: Rowohlt, 2002. Taschenbuch, 286 Seiten |
| Erst als Kertesz schon den Nobelpreis
hatte (12/2002) las ich sein vielgelobtes Werk über die Zeit als
Fünfzehnjähriger in Budapest, Auschwitz und Buchenwald. Vor kurzem
hatte ich zum selben Thema das bedeutend härtere des ebenfalls
15-jährigen Toivi Blatt: Nur
die Schatten bleiben gelesen. Imre Kertesz gewinnt mit seinem eher
kühlen und stellenweise nonchalanten Bericht dem Holocaust neue
Tönung ab. Köves György, 15-jähriger Budapester und Ich-Erzähler, muß zuerst seinen Vater ins Unbekannte verabschieden und wird dann selbst geschnappt. Etwa ein Jahr verbringt er in den KZs in Auschwitz und Buchenwald. Nüchtern zählt er die drei Arten, einem Konzentrationslager zu entkommen auf :
Nüchtern wird jede denkbare Strapaze vorwurfslos erzählt und in einem Nebensatz oft gesteigert. Die Gefangenen werden in einen Eisenbahnwaggon gepfercht und der Rücken wird auf die Eishaut von Pfützen am Boden des Waggons gedrückt (S. 205). Lange rätselte ich (wenn es die Spannung eben erlaubte) über den deutschen Titel vom Schicksallosen. Die Antwort steckt in einer späten Bemerkung: "wenn es ein Schicksal gibt, dann ist Freiheit nicht möglich, wenn es aber ... die Freiheit gibt, dann gibt es kein Schicksal, das heißt also ... wir selbst sind das Schicksal" (S. 284). Das Buch gewinnt seinen eigenen Flair und Schrecken gerade dadurch, daß der Leser inzwischen sie Schrecken der Lager kennt und hinter dem flappsigen Erzählstil die bestialische Wirklichkeit weiß. Unbedingt lesenswert. Zu r Ergänzung empfehle ich dann Toivi Blatt: Nur die Schatten bleiben. |