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Rosa Montero
Rosa Montero: Im Herzen des Tartaros
[El corazón del Tártaro]. Astrid Roth, Übs. München: DTV, 2003. 272 Seiten – montero Zitate
Ein Thriller, der gefällt. Die 36-jährige Sofia Zarzamala, kurz Zarza, hat eine dunkle Vergangenheit, die Rosa Montero in den etwa 24 Stunden, in denen der Roman spielt, offenlegt. Das geschieht vollkommen ungezwungen, keinesfalls ausschließlich um des Effektes willen. Ihr Zwillingsbruder Nicolas ist aus dem Gefängnis entlassen worden und will sich rächen. Zarza flieht, wobei mir nicht klar wurde warum, denn die Orte, die sie aufsucht sind keineswegs sicherer als ihre Wohnung. Montero nimmt diese Stationen zum Anlaß den Schleier der Vergangenheit zu lüpfen. Sie macht auch plausibel (was ich an Thriller oft vermisse), warum Zarza ("Dornbusch") nicht aus dem Land flüchtet oder die Polizei einschaltet. Ihre Schlaglichter in Kindheit und Jugend zeigen den fürchterlichen Tartaros (griechischer Mythos: ein finsterer Abgrund, tief unter der Unterwelt, in den die Götter ihre Gegner stürzten) der Stadt, in ihrer eigenen und den fremden Seelen.
Mit Zarza gelingt ein eindrucksvolles Porträt einer jungen Frau, ihr Schlittern in den Abgrund und die Versuche da wieder heraus zu kommen. Noch einfühlsamer stellt die Autorin Urbano (ab S. 108) dar, der in seiner wundervollen Art nicht überzeichnet ist. Nicht ganz glaubwürdig war mir die sanfte Drogenentziehung (ab S. 113) und einige Punkt erschienen mir sogar hanebüchern
  • Zarza schlägt ihren Retter Urbano fast tot, kommt ins Gefängnis und denkt bis S. 159 nie mehr an ihren Wohltäter;
  • Nicolas und Zarza besorgen sich Waffen für einen Banküberfall; auf dem Weg dorthin wirft Zarza den Revolver in eine Mülltonne;
  • Zarza wirft ihr Handy weg (S. 176), sie vergisst: man kann es abstellen;
  • nach einem Tag ständiger hautnaher Verfolgung und Bedrohung, geht Zarza durch die nächtlichen Straßen ohne daß sie "die geringste Ahnung hatte, daß sie in Begleitung war" (S. 211).
Bin ich wieder einmal zu kritisch? Nun, Montero packt alle diese Vorfälle und auch manch altkluges Verhalten (so wenn Urbano bekennt, daß er langsam denkt, S. 250, oder, daß Pflichtgefühl heutzutage altmodisch sei, S. 251) recht geschickt ein; echte Zweifel an ihrer Darstellung kommen nicht auf.
Ein letzter Wermutstropfen in den – ich betone es – ausgezeichneten Roman. Der theatralische Schluß ist mir zu aufgesetzt. So beendet Hollywood die Filme ("Das Schweigen der Lämmer", "Fargo" u.v.a.). Während sich in diesen Show-downs jedoch Profis völlig unvernünftig und unnötig allein zum Killer begeben, nur um den Thrill zu steigern, ist es hier die Amateurin Zarza, die endlich sich ihrem Schicksal stellen will.
Rosa Montero verbindet den Thriller mit einer klugen Vorgeschichte. Die heiklen Themen um Drogen, Prostitution, Kindsverführung sind weder harmlos dargestellt, noch versucht sie damit billige Effekte einzufahren. Insgesamt ein großartiger Roman.
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Montero Rosa MonteroRosa Montero. Im Herzen des Tartaros. München: DTV, 2003. 272 Seiten. Astrid Roth, Übs.

Rosa Montero
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 18.2.2003