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Charles Maturin
Maturin, Charles: Melmoth the Wanderer
Oxford, New York: Oxford University Press 1989. 560 Seiten
Verführer Rolf Vollmann hat wieder voll zu geschlagen. "Charles Robert Maturin...veröffentlichte im Jahre 1820 Melmoth der Wanderer, einen sehr umfangreichen Schauerroman, ja den Schauerroman aller Schauerromane" (Vollmann, Rolf: Die wunderbaren Falschmünzer). Was so angepriesen wird, mußte ich lesen.
Maturin (1780-1824) steigt mit seinem Opus recht spät in die Mode der Gothic Novels (1790-1810) ein, doch Schauerromane gibt es ja auch heute noch. Der Roman besteht aus mehreren Erzählungen, die ineinander verschachtelt sind wie bei den Erzählungen aus Tausendundein Nächten. Der übergreifende Bezugspunkt ist Melmoth der Wanderer, ein Faust und Mephistopheles in einer Person. Am spannendsten für mich war die Erzählung des Spaniers, bei der Alonzo de Moncada ins Kloster gezwungen wird, dem er in einer abenteuerlichen Flucht entkommt, nur um in den Händen von... aber das soll jeder selbst lesen. Der gesellschaftliche und religöse Zwang ist ein Angelpunkt in jeder der Erzählungen. Langwierige Dialoge um bestimmte Ideen Maturins aufzuzeigen, schwächen den Gesamteindruck für den heutigen Leser. Auch Melmoth der Wanderer selbst hätte bestimmter auftreten können. Meist schrecken alle, die ihm auf seiner Irrfahrt begegnen, sofort zurück. Teuflische Bezüge der Titelgestalt wurden vom kundigen zeitgenössischen Leser wohl unterstellt. Gerade die Einleitung der englischen Ausgabe nachlesend, finde ich dazu Unterstützung durch Edgar Allan Poe, der 1831 meinte, jeder anständige Teufel hätte in derselben Zeit, während der Melmoth zwei Opfer befrägt, gut zweitausend Seelen verführt. Trotzdem sind die Schilderungen Maturins aufschlußreich und oft ergreifend. Drei Jahre vor Erscheinen unseres Romans wurden wichtige Schachwerke aus dem Spanischen und dem Deutschen ins Englische übersetzt. Prompt tritt in der "Erzählung von Guzmans Familie" - innerhalb des besprochenen Werkes - , die großenteils in Spanien spielt, der deutsche Musiklehrer Walberg, ein sehr starker Schachspieler, auf.
Manchmal wirkt Maturin recht modern. Die Feststellung "Beide Flaschen leer!" veranlaßt die Akteure die Diskussion abzubrechen.
Auch heute noch zum Lesen recht empfehlenswert, wenn man sich auf die weitschweifige Handlung und die verschachtelte Struktur einläßt.
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maturin Ahasver, der Ewige Jude.
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Charles Robert Maturin, Victor Sage (Hg). Melmoth the Wanderer. Penguin, 2000. Taschenbuch - 704 Seiten Charles Robert Maturin

Charles Maturin
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 6.8.2002