Ja, in
Massachusetts, wo auch Arthur Millers Hexenjagd stattfindet, da herrschte Mitte
des 18.Jahrhunderts noch Sitte und Ordnung. Gefallene Frauen entgingen nur
knapp dem Schafott. Hester Prynne, Ehebrecherin dortselbst, wäre es aber
zweihundert Jahre später, irgendwo im dörflichen Ober- oder
Niederbayern, sicher nicht besser ergangen. Nathaniel Hawthorne entfaltet
seine provokante Geschichte (1850 erschienen) mit reicher Symbolik und fesselt
damit auch den heutigen Leser. Wer gegen die Norm verstößt wird in
der kleinen Siedlung Boston - wie jede andere hat sie einen Friedhof und ein
Gefängnis, wohl auch genügend Kirchen - gebrandmarkt. Hester
muß ein "A" (adulteress - Ehebrecherin) auf der Brust tragen. Stellt euch
vor, daß könnte man heutzutage durchsetzen! Doch keine Arroganz:
schnell wird man im 21.Jahrhundert mitten in Europa zum mißliebigen
Außenseiter. Hawthorne benötigt nur wenige Personen. Alle sind mit
einer magischen Aura umgeben. Sogar in ihrer Tochter Pearl sucht Hester dunkle
Besonderheiten. Wer schuldig wird muß dies zeigen, offen oder versteckt
oder gar über eine Erbsünde, die sozusagen jeder mal per
default (zu bayerisch: von Haus aus) hat. Vergleiche dazu
Short-Stories vom selben Autor, z.B. The Birthmark. Die Einleitung
"The Custom House" kann man auslassen und gleich in die großartige
erste Szene am Dorfgalgen eintauchen. Die dunkelhaarige Sünderin wird
herausgeführt ...
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Ein interessanter Aspekt aus den vielen,
lesenswerten Leserurteilen bei amazon.de: Another amazing thing about
this book is that it represents three different time periods: the time in which
it took place (1600's), the time in which it was written (1800's), and the time
in which you read it (present). So in a way it spans across centuries and
connects to so many different generations. Empfehlenswert ist die
englische Ausgabe: The Scarlet Letter : Complete Text With Introduction,
Historical Contexts, Critical Essays. Houghton Mifflin Company, 2002. 418
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