| Albert Camus. Die
Pest Reinbek: Rowohlt 1999. 349 Seiten |
| Die nordafrikanische Stadt
Oran wird von einer Pest heimgesucht. Camus baut anfangs die Spannung gekonnt
auf, kann sie jedoch nicht durchhalten. Vielmehr stehen - während die Pest
so vor sich hintümpelt - einige Stadtbewohner im Schlaglicht des
Nobelpreisträgers Camus. Die Stadt wird hermetisch abgeriegelt und Camus
schildert die Reaktionen und Bemühungen der Bürger. Die Epidemie
schafft die absolute (?) Gerechtigkeit. "Aber wenigstens sitzen alle im
selben Boot" (S.220). Keine(r) kann ihr entkommen. Keine(r) kann aber
auch der Bürokratie entkommen. Beide gleichen sich. "Aber es war so,
als habe die Pest sich auf ihrem Höhepunkt gemütlich eingerichtet und
verrichte nun ihre täglichen Morde mit der Präzision und
Regelmäßigkeit eines guten Beamten" (S.267). Die Pest bringt
das Wirtschaftsleben zum Erliegen und schafft so die Erwerbslosen, die zu
niedrigeren Arbeiten (Organisation der Isolation, Bestattung) eingesetzt
werden. Der Fortschritt zu mittelalterlichen Pestepidemien besteht in der
Führung von Karteikarten über die Toten (S.199). Camus geißelt
mit der Pest alle Ideologien und die Bürokratie. Doch diese Botschaft geht
auf Kosten von Spannung, Handlungsdichte und Detailtreue. So schreibt er z.B.
von einer kleinen Stadt (S.82), mit zweihunderttausend Einwohnern (S.90), die
später, nach all den Toten, auf "einige hundertausend Menschen" (S.213)
zunimmt. Lesenwert, doch keineswegs so mitreißend, wie ich es mir vorstellte. |
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