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Tschechow
Anton Tschechow: Meisternovellen
Stuttgart: Manesse. Gebundene Ausgabe, 608 Seiten. Rebecca Candreia, Übs. – tschechow Zitate
Anton Tschechow (1860 Taganrog – 1904 Badenweiler) war zunächst Arzt (ist bei Schriftstellern nicht so selten; z.B. tschechow Somerset Maugham), begann dann aber humoristische Skizzen aus dem russischen Alltagsleben zu schreiben.
Was haben tschechow Stephen Crane und Anton Tschechow gemeinsam?
Sie starben beide an Schwindsucht in tschechow Badenweiler, Schwarzwald.
Die in Meisternovellen vereinten Geschichten sind eher bedrückend aber auch lebensprall. Mein Favorit aus dieser Sammlung ist "Krankenzimmer Nr. 6". Die beklagenswerten Zustände im geschilderten Nebengebäude eines russischen Krankenhauses sind kaum zu überbieten. In strenger Folgerichtigkeit entwickeln sich die Handlungsstränge. Meisterlich ist zum Beispiel die Krankengeschichte des Iwan Dmitrisch Gromow. Doch Tschechow hält noch manche Überraschung bereit. Die Feststellung des Arztes "Daß ich ein Arzt bin und Sie ein Geisteskranker sind, beruht weder auf Moral noch Logik, nur auf einem reinen Zufall" gibt die Richtung an.
Die Novelle "In der Schlucht" zeichnet zahlreiche, eng verschlungene Lebenslinien der Bewohner des Dorfes Uklejewo nach. Dem harten Schicksal kann man kaum entrinnen. Sogar zum Betrug scheint man gezwungen. So stellt die angeheiratete Frau ihrem Stiefsohn schließlich die Frage: "Betrug über Betrug. Das Fastenöl im Laden ist ranzig und verdorben, Teer schmeckt besser. Sag mir bitte, kann man denn nicht mit gutem Öl handeln?"
Die Bronzemedaille erhält "Die Steppe. Die Geschichte einer Reise".
Die restlichen Novellen sind gut erzählt, reissen aber niemand (?) vom Hocker.
Inhalt: Krankenzimmer Nr. 6 – Die Dame mit dem Hündchen – Eine traurige Geschichte – Der Student – In der Schlucht – In der Osternacht – Die Schalmei – Die Steppe. Die Geschichte einer Reise – Missius. Erzählung eines Künstlers.
Ausgewählt und mit einem Nachwort vom russischen Dichter Iwan Schmeljow (1875-1950).
Sehr gut gefiel mir beim Wiederlesen: "In der Osternacht". In der griechischen Mythologie steht der Fährmann in enger Verbindung zum Tod. Fährmann Charon setzt die Toten über den Styx ins Reich des Hades über. Fährmann Jeronimo schwärmt vom eben verstorbenen Hierodiakonus Nikolai und wird nicht abgelöst, trotz Osternacht.
Literatur
Urban, Peter: "Anton Tschechow. Erzählungen". In: Fritz J. Raddatz, Hg.: ZEIT-Bibliothek der 100 Bücher. Frankfurt 1980. S. 313-318; Tschechow Übersicht
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Tschechow TschechowAnton Tschechow: Meisternovellen. Stuttgart: Manesse. Gebunden, 608 Seiten. Rebecca Candreia, Übs. Ausgewählt und mit Nachwort von Iwan Schmeljow.

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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 29.3.2002