| Heinrich Mann. Der Untertan Berlin: Aufbau, 1979. 476 Seiten – |
||
Der weltliche Aufstieg, Heranbildung und
geistiger Abstieg von Diederich Heßling begeisterte mich. In
der Kleinstadt Netzig (fiktiv, doch es soll Manns Geburtsstadt
Lübeck gemeint sein [KLL]) am Ende des 19. Jahrhunderts geht
Diederich zur Schule, kommt zum Militär, studiert und wird
promoviert. Während seines Studiums erhält er die
Chance mit Agnes Göppel in eine liberale Familie
einzuheiraten. Er vertut sie, zu sehr schon ist der wilhelminischen
Untertanengeist verfallen. Wie so oft handelt er zunächst ganz
vernünftig, doch im Nachhinein überdenkt er sein
verhalten und befürchtet hereingelegt worden zu sein. Ein
Beispiel aus späterer Zeit:
Die Personen sind glänzend charakterisiert. Allen voran die Hauptperson, der Untertan. Sein Gegenspieler Wolfgang Buck charakterisiert ihn im Prozeß um die Majestätsbeleidung:
Gerühmt wird Heinrich Mann für seine schier prophetische Gabe. Er artikuliert "das gesunde Empfinden des arbeitenden Volkes" (S. 249); der Untertan Diederich fühlt sich im Lohengrin heimisch: "Schwerter, viel rasselndes Blech, kaisertreue Gesinnung" (S. 327) und der schönste Kunstgenuß ist für ihn vor einem Wurstgeschäft (S. 79). Selbstverständlich beruft er sich auf Gott und sein Gewissen (S. 98). Die Beziehungen, die Begünstigung und Intrigen in der Kleinstadt, in der eine Hand die andere wäscht und sich die Raben gegenseitig nicht die Augen aushaken, sind Strukturen, die auch heute noch funktionieren ( Die scharfe Analyse, Aufdeckung gesellschaftlicher und politischer Mechanismen, Stil und Personenführung machen den Untertan zu einer grandiosen Lektüre. Zum Ende hin will Heinrich Mann zuviel hineinpacken, da wird die Handlung zu hektisch und unübersichtlich. Der apokalytische Schluß und der Gesamteindruck entschädigen mehr als voll. | ||
| Andere Stimmen zum Untertan | ||
| "Leider: es ist der
deutsche Mann schlechthin gewesen; wer anders war, hatte nichts zu
sagen, hieß Vaterlandsverräter und war
kaiserlichseits angewiesen, den Staub des Landes von den Pantoffeln zu
schütteln." (S. 318) Kurt Tucholsky: "Der Untertan" (1919), in: Ausgewählte Werke. Reinbek 1965. S. 318-323. | ||
| "Die
schärfste (und prophetische) Analyse nationalistischer Politik
und Machtverhältnisse unter der Regierung Kaiser Wilhelms II.,
die in der zeitgenössischen deutschen Literatur zu verzeichnen
ist." Wilfried F. Schoeller in Kindlers Literaturlexikon |
||
| "Der Untertan ist Heinrich Manns berühmtestes Buch geworden und geblieben, man muß kaum etwas darüber sagen, nur glaube ich nicht, daß das sein bestes Buch ist, die ungeheuer scharf umrissenen Figuren erlauben fast keinen Zugang zu ihnen außer dem, den der erbittert zuschauende Geist haben soll." (S. 885) Rolf Vollmann: Die wunderbaren Falschmünzer. Frankfurt am Main, 1997. | ||
| Vergleichsliteratur | ||
| Links | ||
| Literatur | ||
| Kantorowicz,
Alfred: "Heinrich Mann. Der Untertan". In: Fritz J. Raddatz, Hg.: ZEIT-Bibliothek
der 100 Bücher. Frankfurt 1980. S. 335-337; Scheuer, Helmut: "Heinrich Mann: Der Untertan". In: Interpretationen. Romane des 20. Jahrhunderts. Band 1. Stuttgart 1993. S. 7-54 |
| Bei Amazon nachschauen | Bei Amazon nachschauen | |
![]() | ![]() | |
| Heinrich Mann. Der Untertan.
Frankfurt am Main: Fischer, 2000. Gebunden, 495 Seiten. | ||
| ![]() | |
| Jörg
Schlewitt, Hg. Heinrich
Mann: Der Untertan. Erläuterungen und Materialien.
Bange, 2002. Broschiert, 99 Seiten. | ||
![]() | ||
| Heinrich Mann: Der Untertan. 5 CDs.
Heinz Drache, Heiner Schmidt, Gerd Baltus (Erzähler).
HÖR Verlag, 2001 | ||