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Schiller
Friedrich Schiller: Der Verbrecher aus verlorener Ehre. Eine wahre Geschichte
In: Schiller. Werke II. München: Vollmer, o.J. S. 289-309 – Schiller SekundärliteraturSchiller Zitate von Friedrich von Schiller
Christian Wolf wird in eine schlecht laufende Gastwirtschaft hinein geboren. Er ist mißgestaltig und wird zum Gespött seiner Mitschüler. Sein Charakter wird dadurch ungünstig beeinflußt: er wird frech und versucht aufzufallen. Als er sich in Johanne verliebt, wird er von ihr mißhandelt. DurchWilddieberei versucht er seinen Nebenbuhler auszustechen, wird mehrfach entdeckt und landet im Gefängnis. Verbittert kehrt er wieder und verstrickt sich immer mehr. Er erschiesst er einen Jäger, flüchtet und wird zum Anführer einer Räuberbande. Mehrfache Gnadengesuche an den Landesherrn, mit dem Angebot als Soldat sich dem Lande zu opfern, bleiben ohne Widerhall.
In der Einleitung sagt Schiller dem Leser, daß er sich weniger für die Handlungen des Verbrechers interessiert, denn für die Umstände und die Gemütsverfassung, die zum Verbrechen führt. Er richtet das Augenmerk auf die Zeit vor der Tat und das rasante Abrutschen auf der schiefen Bahn. In dieser Erzählung, in der sich Schiller – ausgenommen der Einleitung – der Kommentierung enthält, breitet er ein (derzeit) "political incorrekt" Bild aus. Der Verbecher wird es durch Merkmale bei der Geburt und viel mehr durch seine Lebensumstände. Christian Wolf, der Sonnenwirt, sinkt, da die Gesellschaft versagt, ihm die Ehre nimmt, stufenweise tiefer, bis er schließlich nicht einmal mehr als Schweinehirt genommen wird. Der Titel gibt die Reihenfolge schon an: Ehre —> geht verloren —> Verbrecher. Wer die Novelle liest, weiß, Christian Wolf hat die Ehre eigentlich nicht verloren: sie wurde ihm genommen oder auch nicht einmal gewährt.
Die Hoffnung Schillers, daß diese Erzählung "den grausamen Hohn und die stolze Sicherheit ausrottet, womit gemeiniglich die ungeprüfte aufrechtstehende Tugend auf die gefallne herunterblickt", erfüllte sich freilich nicht. Deshalb muß diese Erzählung immer wieder gelesen werden, besonders heute.
Text online: SchillerProjekt GutenbergSchillerVirginia Commonwealth University, Richmond
Sekundärliteratur
Jacobsen, Roswitha: "Die Entscheidung zur Sittlichkeit. Friedrich Schiller: Der Verbrecher aus verlohrener Ehre (1786)", in: Winfried Freund, Hg.: Deutsche Novellen. Von der Klassik bis zur Gegenwart. München: Fink, 1993. Uni-Tb 1753. S. 15-25.
Wiese, Benno von: Die deutsche Novelle von Goethe bis Kafka. Interpretationen I. Düsseldorf: Bagel, 1967. S. 33-46.
Folgeliteratur
Kurz, Hermann: Der Sonnenwirth. Schwäbische Volksgeschichte aus dem vorigen Jahrhundert. Frankfurt: Meidinger, 1855. 508 Seiten. kurzonline bei Projekt Gutenberg
Kurz, Hermann: Der Sonnenwirt. Schwäbische Volksgeschichte aus dem vorigen Jahrhundert. Mit einem Vorwort von Peter Härtling u. einer. Bibliografie von Werner Allweiss. Jürgen Schweier, Hg. Kirchheim/Teck: Jürgen Schweier, 1980.
Kurz, Hermann: Der Sonnenwirt. Schwäbische Volksgeschichte aus dem vorigen Jahrhundert. Berlin: Das neue Berlin, 1988. 406 Seiten.
Wüst, Wilhelm Friedrich: Das Sonnenwirthle oder Leben und Thaten des berüchtigten Räubers und Mörders Johann Friedrich Schwan von Ebersbach. Reutlingen 1854.
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Friedrich von Schiller: Grundlagen und Gedanken, Erzählende Literatur: Der Verbrecher aus verlorener Ehre. Diesterweg, 1999. Broschiert, 78 Seiten Schiller

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