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Kleist
Heinrich von Kleist : Das Erdbeben in Chili
Sämtliche Werke und Briefe. Zweiter Band. München: Hanser, 1964. Seite 144-159 – Rezensionen (allgemein)
Wie es Kleists Eigenart ist, steigt er sofort mit dem ersten Satz mitten ins Geschehen und entzündet beim Leser die Spannung durch einen inneren Widerspruch.
In St. Jago, der Hauptstadt des Königreichs Chili, stand gerade in dem Augenblicke der großen Erderschütterung vom Jahre 1647, bei welcher viele tausend Menschen ihren Untergang fanden, ein junger, auf ein Verbrechen angeklagter Spanier, namens Jeronimo Rugera, an einem Pfeiler des Gefängnisses, in welches man ihn eingesperrt hatte, und wollte sich erhenken.
Während tausend Menschen durch Naturgewalt unfreiwillig umkommen, will sich ein Spanier freiwillig das Leben nehmen. Ganz knapp und gedrängt erfährt der Leser die Vorgeschichte: Jeronimo liebte die Tochter Josephe des Don Henrico Asteron. Josephe wandert ins Kloster und gebärt bei der Prozession zum Fronleichnamsfest (Leichnam – Geburt). Die Sünderin soll öffentlich verbrannt werden; das wird zur Enthauptung "abgemildert"; Jeronimo muß ins Gefängnis. Wohlgemerkt: beide taten es; die Mutter wird zum Tode verurteilt, der Vater nicht. Just in diesem Augenblick (Jeronimo will sich erhängen, Josephe wird zum Schlachtplatz geführt) bricht das Erdbeben aus: tausende kommen um, doch Jeronimo, Josephe und das Kind überleben. Glücklicherweise finden sich die drei Protagonisten in einem Tal in der Nähe der Stadt wieder und treffen auf die Familie des Don Fernando.
Beim Dankgottesdienst der Überlebenden der Naturkatastrophe hetzt der Prediger: die gestrige Katastrophe sei eine Strafe für das "Sittenverderbnis der Stadt" und dem Frevel im Klostergarten der Karmeliterinnen, aber nur ein Vorbote künftiger göttlicher Strafen. Da entzündet sich der christliche Mob an den Sündern ....
Geschickt setzt Kleist der kindlich unschuldigen Freude des Paares Jeronimo und Josephe den religiösen Fanatismus der Menge entgegen. Stil und Thematik machen dieses Meisterwerk zum aktuellen Lesestoff.
kleist Anfang
Diese Erzählung erschien 1807 in Cottas »Morgenblatt für gebildete Stände« unter dem Titel Jeronimo und Josephe. Eine Szene aus dem Erdbeben in Chili. 1810 erschien es selbständig als Das Erdbeben in Chili.
Am 13. Mai 1647 zerstörte ein Erdbeben in Chile die Hauptstadt Santiago. Vermutlich wurde Kleist auch durch Kants Geschichte und Naturbeschreibung der merkwürdigsten Vorfälle des Erdbebens von 1755 angeregt. (kant Immanual Kant)
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kleist KleistHeinrich von Kleist: Das Erdbeben in Chili und andere Erzählungen. Hamburg: Iselt, 1981. Broschiert, Hamburger Lesehefte kleist
Heinrich von Kleist: Die Marquise von O... – Das Erdbeben in Chili. Ditzingen: Reclam, 1984. Broschiert Kleist
scholz KleistIngeborg Scholz: Heinrich von Kleist 'Über das Marionettentheater', 'Das Käthchen von Heilbronn', 'Das Erdbeben in Chili', 'Die Marquise von O. Hollfeld: Beyer, 2002. Broschiert, 85 Seiten

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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 25.8.2004