Friedrich von Schiller: Wilhelm Tell In: Schiller. Werke. Erster Band. München: Vollmer, o.J.
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Literatur Rezensionen
(allgemein)
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Den Inhalt des
Dramas Wilhelm Tell wiederhole ich hier nicht, da er auf zahlreichen
Webseiten nachzulesen ist (
Links). Am einfachsten und sehr kompetent erfährt man den
Inhalt durch Lektüre des Dramas oder durch Besuch einer
Theateraufführung. Dafür betone ich hier die Aspekte des Dramas,
die mir bei der ersten nachschulischen Lektüre im Schillerjahr 2005
auffielen. |
In Wilhelm Tell zeigt
Schiller frappierend zahlreiche Merkmale diktatorischer Herrschaft auf.
- Personenkult; zeigt sich in der Verherrlichung des Hutes,
stellvertretendes Symbol des Tyrannen: I., 3.; zeigt sich aber auch in
zahlreichen unterwürfigen Anreden der Obrigkeit.
- blödsinnige Befehle nur um des Befehls willen; Gessler:
"Ich begehrs und wills", III. 3.
- blinder Gehorsam; dieser ist eine Synthese aus den beiden
ersten Punkten.
- Sippenhaft; I. 1., I. 4.;
- sklavenartige Fronarbeit; I. 3.
- Bespitzelung
Walther Fürst: "Bleibt,
wo Ihr seid. Wir sind umringt von Spähern." und kurz
darauf: Walther Fürst: Verrat und Argwohn lauscht in
allen Ecken, Bis in das Innerste der Häuser dringen Die Boten der
Gewalt, bald tät es not, Wir hätten Schloss und Riegel an den
Türen. I. 4. |
- Duckmäuserei; ein schwächere Form des blinden
Gehorsams, für die auch Tell plädiert
Tell: Die einz'ge Tat ist
jetzt Geduld und Schweigen. Stauffacher: Soll man ertragen, was
unleidlich ist? Tell: Die schnellen Herrscher sind's, die kurz
regieren. - Wenn sich der Föhn erhebt aus seinen Schlünden,
Löscht man die Feuer aus, die Schiffe suchen Eilends den Hafen,
und der mächt'ge Geist Geht ohne Schaden, spurlos, über die Erde.
Ein jeder lebe still bei sich daheim, Dem Friedlichen gewährt man
gern den Frieden. Stauffacher: Meint ihr? Tell: Die
Schlange sticht nicht ungereizt. Sie werden endlich doch von selbst
ermüden, Wenn sie die Lande ruhig bleiben sehn. I.
3. |
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Tyrannen, wie beispielsweise die NS-Diktatur,
schwanken zwischen Nutzung des Dramas für ihre Zwecke
Berta: Kämpfe Fürs Vaterland,
du kämpfst für deine Liebe! III. 2. Gemeint ist hier allerdings Rudenz Liebe zu Berta, nicht die
Vaterlandsliebe Gessler: Wer klug ist, lerne schweigen und
gehorchen. IV. 3. |
und Ablehnung, da im Wilhelm Tell
vorgeführt wird, wie sich ein einig Volk wehren kann und soll und der
Tyrannenmord befürwortet und begründet wird.
Stauffacher: Ist keine Hülfe gegen solchen
Drang? Nein, eine Grenze hat Tyrannenmacht: Wenn der Gedrückte
nirgends Recht kann finden, Wenn unerträglich wird die Last - greift
er Hinauf getrosten Mutes in den Himmel, Und holt herunter seine ew'gen
Rechte, Die droben hangen unveräusserlich Und unzerbrechlich wie
die Sterne selbst - Der alte Urstand der Natur kehrt wieder, Wo Mensch
dem Menschen gegenübersteht - Zum letzten Mittel, wenn kein andres
mehr Verfangen will, ist ihm das Schwert gegeben - Der Güter
höchstes dürfen wir verteid'gen Gegen Gewalt - Wir stehn vor
unser Land, Wir stehn vor unsre Weiber, unsre Kinder! II.
2. |
"In Deutschland war das Stück [Wilhelm
Tell] zunächst als »National- und Führerdrama«
hochgeschätzt. Doch 1941 realisierte Hitler, dass seine Person durchaus
auch mit Gessler gleichzusetzen war. Er ließ das Drama daraufhin durch
einen geheimen Erlass verbieten: »Der Führer wünscht, dass
Schillers Schauspiel Wilhelm Tell nicht mehr aufgeführt wird und in der
Schule nicht mehr behandelt wird.«". Barbara Piatti: "Ein
unzerstörbarer Mythos nicht nur für die Schweiz", Das
Parlament, 55.13/14, 2005, S. 13 |
Schiller macht es sich um den Leser
nicht leicht. Der Tyrannenmord ist gerahmt von zwei Morden an der Obrigkeit,
die keinesfalls eindeutig erlaubt sind (I. 1; V. 2). Im Gegenteil: der als
Mönch getarnte Parricida soll für seinen Mord nach Rom ziehen.
Tell: Ihr müsst fort
Ins Land Italien, nach Sankt Peters Stadt, Dort werft Ihr Euch dem
Papst zu Füßen, beichtet Ihm Eure Schuld und löset Eure
Seele. V. 2. |
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Der Nutzenethik (Kuoni: "Dem Nächsten muß man
helfen, Es kann uns allen Gleiches ja begegnen", I. 1.) setzt Tell eine
kantische Gesinnungsethik entgegen: "Der
brave Mann denkt an sich selbst zuletzt" (I. 1.), die aber den
Gemeinschaftssinn fehlen läßt:
Tell: Ein jeder zählt nur
sicher auf sich selbst. Stauffacher: Verbunden werden auch die
Schwachen mächtig. Tell: Der Starke ist am mächtigsten a l
l e i n. I. 3. |
Allerdings relativiert das Tell kurz danach:
Tell: Bedürft ihr meiner zu
bestimmter Tat, Dann ruft den Tell, es soll an mir nicht fehlen.
I. 3. |
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Abgewogen wird der Dienst an der
Gesellschaft immer mit der Verpflichtung
gegenüber der Familie. In wie weit dabei die Frauen und Kinder
genügend berücksichtigt werden, müßte (und ist es sicher
auch) untersucht werden. Die Frauen spielen nur
scheinbar eine Randrolle. Zwei, Gertrud und Berta, sind
"spielentscheidend". Gertrud rät ihren Mann, den Stauffacher, zur
gemeinschaftlichen Tat ("Ertragen muß man, was der Himmel sendet,
Unbilliges erträgt kein edles Herz." I. 2.). Berta pfeift Rudenz von
seinem Liebäugeln mit den Österreichern zurück. Gerade Tell
ist ein zwiespältiger Charakter. Er zieht es zunächst vor nichts zu
tun. Dann aber schnellt sein Pfeil auf seinen Sohn (in alttestamentlichem
Gehorsam) während die Verhandlungen mit Gessler (III. 3.) noch laufen. Bei
seiner Flucht vom Schiff läßt er alle übrigen Passagiere in der
Patsche (IV. 1.). |
Auffallend ist die düstere
Schilderung der deutschen Tieflande. Sie liegen unter einem undurchsichtigen
Nebelmeer. Hier flicht Schiller wohl, etwas verblümt, Kritik an die
deutschen Lande ein.
Rösselmann: Bei diesem
Licht, das uns zuerst begrüsst Von allen Völkern, die tief unter
uns Schweratmend wohnen in dem Qualm der Städte, ...
II. 2. Tell: Das Land ist schön und gütig wie der
Himmel, Doch die's bebauen, sie geniessen nicht Den Segen, den sie
pflanzen. Walther: Wohnen sie Nicht frei wie du auf ihrem eignen
Erbe? Tell: Das Feld gehört dem Bischof und dem König.
III. 3. und die Kritik am grossen ebnen Land geht noch
einige Zeilen weiter. |
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| Zusammenfassung |
| Obwohl scheinbar alles recht
durchsichtig abläuft, ist Wilhelm Tell vielseitig konstruiert und
regt an über Solidarität, Hilfsbereitschaft usw. nachzudenken.
Immer wieder mal lesenwert. |
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Friedrich von Schiller:
Wilhelm Tell. Ditzingen: Reclam, 2004. Universal-Bibliothek, Nr.12. |
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Diethard Lübke, Hg.:
Wilhelm Tell von Friedrich von Schiller. Cornelsen 2003. Broschiert, 96
Seiten
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Martin Neubauer, Hg.:
Lektüreschlüssel Friedrich Schiller 'Wilhelm Tell'. Ditzingen:
Reclam, 2004. Broschiert |
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Beate Nordmann, Hg.: Friedrich
von Schiller: Wilhelm Tell. Königs Erläuterungen und Materialien,
Bd.1. Bange 2001. Broschiert
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| Empfehlenswert für Kinder |
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Bettina Hürlimann, Paul
Nussbaumer: Der Knabe des Tell. Frei nach einer Erzählung von Jeremias
Gotthelf. Illustriert von Paul Nussbaumer. Zürich: Atlantis, 2004.
Gebunden, 40 Seiten |
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Barbara Kindermann: Wilhelm
Tell. Nach Friedrich Schiller. Weltliteratur für Kinder. Illustriert
von Klaus Ensikat. Berlin: Kindermann, 2004. 36 Seiten
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