Email zurück zur Homepage eine Stufe zurück
Wilhelm Raabe
Wilhelm Raabe: Erzählungen
Die Hämelschen KinderHolunderblüteDas letzte RechtDes Reiches KroneDie alte Universität
Nicht erwähnte Erzählungen habe ich daher entweder nicht gelesen oder ich halte sie nicht mehr für lesenswert.
Holunderblüte. Eine Erinnerung aus dem "Hause des Lebens"
Anläßlich eines Besuches bei einer Mutter, deren Mädchen vor kurzem verstarb, erinnert sich der Arzt Hermann an seine erfolglose Zuneigung zu dem fünfzehnjährigen jüdischen Mädchen Jemima Löw. Er war Student in Prag und Jemima prophezeite am Grab der früh verstorbenen Mahalath für sich selbst den baldigen Tod. Der Medizinstudent kann es nicht glauben, trennt sich auf einen Rat hin von Jemima und geht nach Berlin. Dort stürzt sich ins Studium, kehrt nach prag zurück und stellt fest, daß Jemima vor kurzem verstorben ist. Gegenüber dem Schicksal ist oft auch ärztliche Kunst vergeblich.
Im Hungerpastor zeigte sich ein (angeblicher) Antisemitismus Raabes (oder der Zeit). Diese Liebesgeschichte mit einer Jüdin rehabilitiert Raabe.
Das letzte Recht
Den hier geschilderten Ereignissen in Rothenburg im Tal zwischen Christian Jakob Heyliger, seiner Tochter Laurentia, Friedrich Martin Kindler, seinem Sohn Georg und dem Henker der Stadt Wolf Scheffer, gehen weit zurückliegende Streitereien voraus. Dabei wurde Kindler von Heyliger schwer geschädigt, wohl grundlos oder völlig überzogen. Aber Unrecht rächt sich immer im letzten Recht. "Es war kein Glück, was der Zinsmeister von Rothenburg mit der Silberburg erlangt hatte!"
Raabes in Literaturgeschichten gerühmten Humor konnte ich nur selten feststellen. Hier gibt er eine Kostprobe. Der Vorgänger im Henkeramt wird selbst straffällig und zum Tode verurteilt. Er kann sich aber nicht selbst hängen! Bis zum Eintreffen eines neuen Henkers muß er auf Kosten der Stadt untergebracht und verköstigt werden. Raabe schildert dies so:
So herrschte denn zu jeder Tageszeit ein sehr leckerer Duft von Gesottenem, Geschmortem und Gebratenem um das Römertor. Selbst die Mauergewächse schienen in dieser Atmosphäre ein gedeihlicheres Ansehen zu gewinnen und frischer zu grünen; der Stadtkoch aber kam nicht aus dem Schweiß, der Ratskellermeister nicht aus dem Trab, und der Stadtkämmerer hätte blutige Tränen weinen mögen.
Des Reiches Krone
Der Erzähler der Geschichte "Des Reiches Krone" beschreibt einen grauen Chronisten, der wiederum aus den Zeiten der Hussiten- und Taboritenkriege (Taboriten: radikale Richtung der Hussiten) Anfang des 15. Jahrhunderts berichtet.
Hinter allem historischen Schwulst (Kriegsgetümmel, Aufmärsche der Adeligen etc.) steckt doch eine persönliche Geschichte. Junker Michel Groland wird von der Jungfer Mechthilde Grossin zur Kriegsbeteiligung aufgefordert. Konstantinopel fiel in die Hand der Feinde, die Reichskrone wurde zuerst nach Prag, dann nach Budapest verschleppt. Sie gilt es nach Nürnberg heim zu holen. Er zieht "in die verwüstete, blutige, flammende Welt, in den Kampf um des Reiches Krone!" Die Reichskrone wird erobert und wird 1424 nach Nürnberg gebracht. Auch Michel kommt heim, jedoch, wie viele seiner Mitkämpfer, von der Lepra befallen. Mechthild zieht zu ihm in den "Sondersiechen Haufen"; die Leprakranken sind isoliert. Mechthild wird Mater Leprosorum.
Die eigentliche Geschichte wird durch kriegsfreudiges Lob auf "des deutschen Volkes Krone und die Waffen Christi" vergällt.
Die alte Universität
Sachsenborn im Harz, 1822. Pfarrer Adam Cellarius wird zum Stduententreffen in die alte Universitätsstadt gerufen. In Wirklichkeit hat er eine alte Rechnung offen. Seine Bruder Ernst starb einst bei einem studentischen Duell. Damit verbunden ist die Liebe der Pfarrerstochter Ehrhardine.
Für den heutigen Leser ist die Erzählung trotz der Kürze zu breit und sentimental.
raabe Anfang
Die Hämelschen Kinder
erschien 1863, zwei Jahre vor "Else von der Tanne". Beide Erzählungen behandeln den Aussenseiter, der von der Gesellschaft nicht akzeptiert wird. Ein wahrlich zeitloses und auch heute (Jahr 2003) hoch aktuelles Thema. Wilhelm Raabe greift die Sage des Rattenfängers von Hameln auf und erzählt seine Version eines Machtkampfes zwischen Bischöfen und Herzogen und der Schlacht um Sedemünder von 1260. Diese Version galt bis 1951 als historisch korrekt (Hämelschen kinderDie Theorien). Ich fand die Geschichte um den Fremden Kiza, dem Heiden, "ein hündischer Wend", "mit fremdartigem Akzent" sehr aktuell und lesenswert.
Sekundärliteratur
Dr. Ralf Georg Czapla: "Der Rattenfänger unter dem Regenbogen. Zur sozial- und literaturkritischen Adaptation eines Sagenstoffes in Wilhelm Raabes Novelle »Die Hämelschen Kinder«". Fabula 39 (1998), S. 1-20.
Hämelschen kinderDie Legende und die Geschichte
raabe Anfang

Wilhelm Raabe
Email zurück zur Homepage eine Stufe zurück
© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 8.11.2003