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Wilhelm Raabe
Wilhelm Raabe: Die Chronik der Sperlingsgasse. Roman
Köln: Atlas, o.J. 191 Seiten
Das Erstlingswerk Die Chronik der Sperlingsgasse aus dem Jahr 1857 schrieb Raabe mit nur 26 Jahren. Umso erstaunlicher, daß darin der alte Gelehrte Johannes Wachholder seine wehmütigen Erinnerungen das der Berliner Sperlingsgasse niederschreibt. Ich meine, statt Chronik müßte des Bunte Blätter oder Bilder heißen, denn es ist ein zeitlich durcheinander gewürfeltes Mosaik. Raabe verwendet – darin recht modern – Erinnerungen des Chronisten, Erzählungen der Gassenbewohner, Briefe und Träume, die er lose miteinander verwebt.
Aus Wachholders umständlichen Verbindungstexten muß man sich das "Fleisch" herauspicken.
raabe Der Journalist Dr. Wimmer flieht vor der Zensur aus dem Lande (S. 79ff). Er hatte in der letzten Nummer der "Welken Blätter" die Obrigkeit getadelt: "... Und wenn alle Esel dieser Maßregel Beifall brüllen sollten: ich kann sie nur »bewimmern«" (S. 75).
raabe Man las das Volksbuch Reineke de Voß (S. 90); wahrscheinlich aus den plattdeutschen Reimen (Lübeck 1498) ins Hochdeutsche übertragen von Johann Heinrich Voß (1751-1826), dem Odysee-Übersetzer.
raabe Die Balletttänzerin darf bei der Geburtstagsvorstellung für die Königin nicht fehlen. Die Tochter der Tänzerin liegt derweil zuhause im Todeskampf (S. 138).
raabe Wachholder streut auch Anektoden ein, so die von der Verbrennung des Ketzers Vanini (S. 101); siehe vanini Zitate von Lucilio Vanini.
raabe Die Binnenerzählung der Großmutter Margarete Karsten handelt von den napoleanischen Wirren um 1806 (S. 106ff) und bringt das berühmte "Ruhe ist die erste Bürgerpflicht!" von Minister Friedrich von der Schulenburg (Schulenburg Zitat Schulenburg). Es könnte das Motto der Zeit gewesen sein (s.o. Zensur).
raabe Raabe läßt Johannes Wachholder im Text Grüße an Bewohner der Sperlingsgasse ausrichten. Diese Technik der direkten Ansprache ist modern. Im Popsong "Wasted Days And Wasted Nights" grüßt Freddy Fender seinen Freund Doug Sahm: "... wherever you are, brother!" (fender gesamtes Zitat).
Die Chronik der Sperlingsgasse sollte laut KLL nicht unterschätzt werden. Ich finde sie doch recht sentimental und betulich und ziehe aus diesem Genre Huch Ricarda Huch: Aus der Triumphgasse oder John Steinbeck: Tortilla Flat vor. Wie schön, daß der Debütroman für Raabe so erfolgreich war, daß er zum Berufsschriftsteller wurde und die folgenden (besseren) Romane und Erzählungen schrieb. raabe
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Wilhelm Raabe Wilhelm RaabeWilhelm Raabe. Die Chronik der Sperlingsgasse. Ditzingen: Reclam, 1997. Broschiert, 223 Seiten. Wilhelm Raabe
Wilhelm Raabe. Die Chronik der Sperlingsgasse. Großdruck. Diesem Buch liegt eine Ausgabe von 1931 zugrunde. Madsack: 1997. Gebunden, 239 Seiten.Wilhelm Raabe

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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 31.7.2003