| Luis
Sepulveda: Tagebuch eines sentimentalen Killers [Diario de un killer sentimental]. Willi Zurbrüggen, Übs. München: Hanser, 1999. 83 Seiten |
| Das Tagebuch eines sentimentalen
Killers ist ein Stunden-Thriller für zwischendurch. Die Leser
begleiten einen Profikiller von Spanien nach Istanbul, über Frankfurt nach
Mexiko (nur die allerwichtigsten Stationen sind hier genannt), bei seinem
letzten (was der Killer zu Beginn noch nichts weiß) Auftrag. Wie man sich
einen Berufstöter vorstellt bekommt er seine Aufträge anonym und
führt sie echt geschäftsmäßig aus. Doch bei diesem Auftrag
gibt es Komplikationen, die nur zum Teil damit zusammen hängen, daß
der namenlose Killer sich seit drei Jahren eine Geliebte hält, eine
Sentimentalität, die zeigt, daß er doch nicht so professionell ist,
wie beispielsweise Larry Jackson, aka Daddy Cool, im gleichnamigen
Krimi von Donald Goines. Während bei Goines die
Coolness zum Exzess getrieben wird, bringen hier zwei, drei neugierige
Anwandlungen des Ich-Erzählers die nötige Würze und die rasante
Dynamik. Dabei wirft Luis Sepulveda einigen schwarzen Witz ins Spiel, vor allem
der Hass eines Dealers auf die Gringos im Norden: "Sie wollen Heroin ...? Gut,
ich gebe ihnen Heroin ... fast umsonst ... Sollen sie sich selbst fertigmachen"
(S. 81-82). "Ein Roman wie ein Film. Nur besser", schrieb Die Welt. Ich pflichte bei. Unter der Regie von Michael Wehrhan vom WDR 2002 verfilmt. Luis Sepúlveda, 1949 in Chile geboren, verließ sein Heimatland unter der Militärdiktatur wegen seines politischen Engagements. 1980 kam er nach Hamburg und arbeitete als Schriftsteller und Journalist. Heute lebt er in Asturias, Spanien. Sepúlveda erhielt verschiedene Literaturpreise, darunter 1969 den ersten Preis der Kategorie Kurzgeschichten des Casa de las Américas und den Preis des Norddeutschen Rundfunks für das beste Theaterstück eines ausländischen Autors. |