Email zurück zur Homepage eine Stufe zurück
Indridason, Arnaldur Nordermoor
Indridason, Arnaldur: Nordermoor
[mýrin] Coletta Bürling, Übs. Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe 2003. 318 Seiten
Zusatzinformationen zum Roman: "Islandkrimi", "Bester Kriminalroman Skandinviens 2002", spielt zumeist in Reykjavik 2001.
Der alte Lastwagenfahrer Holberg wird mit einem schweren Aschenbecher erschlagen. Erlendur und sein junger Kollege Sigurur von der Kripo in Reykjavik suchen den Mörder, der eine rätselhafte Botschaft bei der Leiche hinterlassen hat. Es entspinnt sich eine schlüssige Vorgeschichte und schließlich in echter Whodoneit Manier eine lückenlose Aufklärung.
Verpflichtung für einen zeitgenössischen Krimiautor ist, daß der Kriminaler selbst charakterliche oder familiäre Probleme hat. Erlendur ist langjährig geschieden und hat eine drogensüchtige Tochter. In der Nebenhandlung werden Aspekte der Beziehung Vater - Tochter variiert. Erfrischend ist Erlendurs nüchterne Einstellung zu Familie, Beruf und Leben. "Er glaubte nicht an Gott, obwohl er häufig in der Bibel las, nicht an ein ewiges Leben oder daran, dass sein Verhalten in diesem leben Einfluss darauf hatte, ob er im Himmelreich oder in der Hölle landen würde. Er fand, dass das Leben als solches einem sowieso schon eine gute Mischung aus beidem bot" (S. 133).
Ansonsten ist Nordermoor ein recht konventioneller Kriminalroman. Dafür ist es allerdings eher ärgerlich, daß ab dem Auffinden Holbergs Leiche die hinterlassene Botschaft eine wichtige Rolle spielt, der Leser aber sehr spät den Inhalt erfährt. Der fürchterliche Ammoniakgeruch (seit vielen Jahren!) in Holbergs Wohnung erscheint mir unwahrscheinlich. Angenehm war es für mich, daß Indridason gelegentlich Zusammenfassungen einbaute. Da die Handlung klar strukturiert ist und die Ermittlungen folgerichtig die Vergangenheit ausleuchteten, war ich als Leser immer auf nahezu gleicher Höhe mit Erlendur. Dieser unauffällige Stil macht es dem Autor aber schwer, Spannung zu erzeugen. Zwei Zutaten heben Nordermoor doch vom Durchschnitt ab. Es sind die Themen Organentnahme und Gendatei. Beides kann in einem Krimi nicht ausdiskutiert werden, doch schon die Thematisierung ("schadhafte Gene", "Gläserpalast"; Datenschutz) sollte den Leser hellhörig machen.
In einem Nachwort klärt die Übersetzerin Coletta Bürling lobenwert auf, daß es in Island eigentlich nur Vornamen gibt (heißt das Opfer Holberg mit Vornamen?) und daß sich alle duzen. Beides weiß der aufmerksame Leser; zusätzlich wußte ich jetzt, daß das duzen keine Marotte des Autors ist.
Bester Kriminalroman Skandinviens 2002? Ja, ich kenne nur diesen. Im Vergleich mit der Welt eher Durchschnitt und etwas zu lang. Lesenswert.
Bei Amazon nachschauen  
Arnaldur Indridason Indridason, Arnaldur NordermoorArnaldur Indridason. Nordermoor. Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe, 2003. Broschiert, 320 Seiten. Coletta Bürling, Übs.

Indridason, Arnaldur Nordermoor
Email zurück zur Homepage eine Stufe zurück
© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 13.4.2003