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Jean-Claude Izzo
Jean-Claude Izzo. Total Cheops
[Total Kheops] Zürich: Unionsverlag, 2000. Broschiert - 250 Seiten. Katarina Grän, Ronald Voullié, Übs. – Jean-Claude Izzo Autor
Der Ich-Erzählers diesen Thrillers ist Fabio Montale, Polizist in den eher ärmeren Vorstädten von Marseille, behaust von Einwanderern. Seine Jugendfreunde Ugo und Manu wurden umgebracht. So beginnt der sattsam bekannte Rachezug des einsamen Kämpfers um Aufklärung und Sühne, gegen einen Sumpf von Korruption und Brutalität. Das Motto: "Ein guter Indianer ist ein toter Indianer. Und in Marseille gab es fast nur Indianer" (S. 27). Das zweite bekannte Topos ist die unzerbrechliche Jugendfreundschaft, auch wenn man sich 20 Jahre nicht mehr gesehen hat. Sonderbar: zwei Jahrzehnte sieht man sich nicht, doch dann sind die Bande so stark, daß man auch vor tödlichen Auseinandersetzungen nicht zurückschreckt.
Und das dritte Klischee: Fabio Montale hat jederzeit ein paar willige Frauen zur Hand; hier gesteigert durch eine Farbige von den Antillen und eine Prostituierte.
Schluckt man diese abgenutzten Muster, so erwartet den Leser harter Thriller mit Tempo und Witz. Und eine Liebeserklärung an Marseille mit Hafenviertel, verwinkelten Gassen, Bars und alle skurillen Personen, die es bevölkern. Tempo und Fahrt bekommt der Roman durch kurze Sätze, knappe Dialoge und das Überkreuzen mehrerer Kriminalfälle. Am Ende hätte ich den Handlungsablauf nicht mehr rekonstruieren können, aber das ist ja nicht so wichtig, wenn die Atmosphäre während des Lesens stimmt. Hier gleicht Jean-Claude Izzo meinem Favoriten chester himes Chester Himes. Auch den Sozialrealismus und die versteckte Sozialkritik haben beide gemein. So charakterisiert Fabio Montale seine etwa fünzig Polizeikollegen: "Junge, Alte, Familienväter, Jungverheiratete. Bedächtige Alte, junge Krieger. Keine Rassisten, nur solche gegen die Araber. Und gegen die Schwarzen und Zigeuner" (S. 103).
Und ein drittes Gemeinsames mit Chester Himes: die Darsteller lieben alle Arten von Musik und Meister Izzo nennt uns die Titel zum Nachspielen. Für Gourmets gibt es noch Rezepte aus den Hafenspelunken. Was will man mehr?
Da schon so viele Thriller in die Tastatur getippt wurden, gibt es auch viele Klischees: ich sehe es Izzo nach und empfehle Total Cheops; die beiden Folgebände Chourmo und Soléa kommen auf die Leseliste.
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Jean-Claude Izzo Jean-Claude IzzoJean-Claude Izzo. Total Cheops. Zürich: Unionsverlag, 2000. Broschiert, 250 Seiten. Jean-Claude Izzo
Jean-Claude Izzo. Total Cheops. 2 CDs. Hans-Peter Hallwachs, Hilmar Eichhorn, Anna Thalbach, Ulrich Gerhardt, Hg. Audio Verlag, 2002.Jean-Claude Izzo
Jean-Claude Izzo, * 1945 Marseille, begann erst mit fünfzig Jahren, Kriminalromane zu schreiben. Für seinen zweiten Fabio Montale-Roman Chourmo erhielt Izzo den Deutschen Krimipreis 2001 in der Kategorie "International".
Er starb am 26. Januar 2000 im Alter von erst 54 Jahren in Marseille an Lungenkrebs. «Le Monde» ehrte ihn mit einer ganzen Seite.
Jean-Claude IzzoVerlagsinformation

Jean-Claude Izzo
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 21.5.2003