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Jaumann, Bernhard: Saltimbocca
Jaumann, Bernhard: Saltimbocca
Berlin: Aufbau, 2002. 265 Seiten
Am 17. Juni 2003, ein heißer Sommertag, lag ich unterm Apfelbaum und verschlang Saltimbocca (den Krimi). In Saltimbocca wird nicht verschlungen, sondern genüßlich gespeist. Es geht oft um leckere Zubereitungen der römischen Küche.
Der sogenannte Kriminalroman spielt in Rom und hat zwei Handlungsstränge, die sich im Laufe der Lektüre annähern und ineinander übergehen. Ein Krimiautor, Ich-Erzähler, schreibt an einem neuen Roman. Um sich zu inspirieren besucht er regelmässig eine römische Trattoria. Diese wird auch zum Angelpunkt des entstehenden Krimis, dessen Handlung der Leser im zweiten Erzählstrang serviert bekommt. Das ist originell, aber nicht unbedingt neu. Auch die Betonung des Kulinarischen ist eher schon ein alter literarischer Hut.
Die Handlung der beiden Ebenen ist kompliziert aber noch überschaubar. Die Auflösung der Wirrnis habe ich nicht ganz verstanden, doch nahm nichts vom Lesevergnügen.
Bernhard Jaumann versteht es spannend zu schreiben, läßt wenig Krimi-Versatzstücke aus (Protokoll der Beobachtung; Verfolgung in unterirdischen Gewölben, in die Kanalisation; Gegensatz Privatdetektiv - Polizei), doch das kommt alles locker rüber.
Komik und Wortspiele machen den Reiz des Romans aus. Das geht einmal ganz zwanglos durch die Personengleichführung in den beiden Erzählsträngen; das geht bis zu gleichen Namen und ich mußte manchmal arg aufpassen um nichts zu verwechseln. das geht auch durch fast brutale Assoziationen. Der Detektiv Brunetti leckt an einer roten Flüssigkeit in einer Gruft. Blut? Nein, "Brunetti tippte auf einen Spitzenjahrgang eines Spitzenbarolo, den irgendein Idiot hier vor kurzem verschüttet hatte. Brunetti hatte Blut geleckt. ..." (S. 61).
Viele Szenen haben Slapstick-Charakter, so die Verfolgung in Gruft und Kanal; die Szene, wo man einen Giftmischer in der Trattoria vermutet und alle Gäste müssen ihre Teller leer essen, aber erst nachdem sie Tellertausch ausgelost hatten.
"Du ißt, Freundchen!" befahl Boccioni. "Die Spaghetti wurden erst am Tisch auf die Teller verteilt. Unter aller Augen. Wenn jemand sie vergiftet hat, dann schon vorher. Wer keine Portion abhaben will, legt damit schon ein halbes Geständnis ab." (S. 164)
Großartig gelingen dem Autor die Dialoge und Kennzeichnung der Trattoria-Kunden. Monteleone führt ständig seine Unternehmen in die Pleite. "Brunetti hatte ihn darauf aufmerksam gemacht, daß die Pilger nach Rom pilgerten und nicht von Rom weg., aber Monteleone war vom ständig überfüllten Petersplatz so begeistert gewesen, daß er nicht hören wollte". Er eröffnete ein Pilgerreisebüro (S. 88).
In dieser Szene fallen auch die Fußballfan-Weisheiten:
"Montella mit Inzahghi im Sturm!" sagte Monteleone. "Die verletzen sich höchstens gegenseitig."
"Hoffentlich verbieten sie es Montella wenigstens, über die Mittellinie zurückzugehen, sonst hat er uns noch einen ins eigene Netz", sagte Monteleone (S. 88).
Manchmal übertreibt Jaumann seine krimifremden Ausflüge. Die proklamatische Rede Falces (S. 77-79) ist amüsant, doch in einem Krimi?
Bei aller Leichtigkeit fordert der Autor den Leser. Das gilt es nicht nur die Personen auseinander zu halten, sondern auch römische Stadt- und Kunstführungen mitzugehen. Für den Gourmet gibt es ellenlange Anregungen; mir war's zuviel und ich flog über die häufigen Speisekartenlitaneien hinweg. ("Dös muaßt meng, sonst magst d'as ned!" sagte Charly Häusler in Münchner Gschichten).
Man darf Saltimbocca nicht so sehr als Krimi lesen (das ist es auch), denn als Huldigung an Rom, seine Bewohner und Küche. Obwohl ich manch negative Kritik im Web verstehen kann (man nahm dem Ich-Erzähler Seitenhiebe auf andere Krimiautoren übel; manchmal artet Saltimbocca in einen Fremdenführer für Rom und sein Küche aus), meine ich: sehr empfehlenswert
Der Kriminalroman Saltimbocca erhielt den Friedrich-Glauser-Krimipreis der Autoren 2003 in der Sparte Roman. friedrich glauser Friedrich-Glauser-Krimipreis
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Jaumann, bernhard Jaumann, Bernhard: SaltimboccaJaumann, Bernhard: Saltimbocca. Berlin: Aufbau, 2002. 265 Seiten.

Jaumann, Bernhard: Saltimbocca
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