Der Schuster Maximilian Grauke hat zum
zweiten Mal seine Frau und deren Halbschwester plötzlich verlassen.
Ermittler Tabor Süden und seine Assistentin Sonja Feyerabend (beide mir
bekannt aus Verzeihen) dringen nur mühsam ins
psychologische Geflecht zwischen den drei Personen vor. Mir gefällt die
unaufgeregte Vorgehensweise von Tabor Süden. Während viele deutsche
Krimiautoren verzweifelt ihr Profil suchen (Italien und Rezepte
bei Jaumann: Saltimbocca; Italien und neugierige
Ermittlerin bei Mayall: Nacht der Stachelschweine;
eher abstoßender, überschlauer Amateur-Detektiv Matzbach bei
Haefs: Und oben sitzt ein
Rabe) hat Ani durch karge Erzählweise, lebensnahe Dialoge
und den Münchner Heimvorteil hier einen ungewöhnlichen Psychokrimi
vorgelegt. Zugegeben: es ist nirgends brilliant, aber immer spannend und mit
bemerkenswerten Miniszenen durchsetzt.
"Tschüss", sagte der Junge mit der
Schachtel. "Das heißt servus oder ciao", sagte ich. (S. 35) |
Den "Jungen" muß man als Bayer schlucken;
Ani und Knaur wollen auch nördlich vom Main Kohle machen. Oder es sind
melancholische Weisheiten eingebaut ohne aufgesetzt zu wirken. "Egal, wie viel
man getrunken hatte, das Wichtigste war, die Bestellung immer astrein
auszusrpechen" (S. 22). "Die Zeit war da, ich nahm mir, soviel ich brauchte"
(S. 26). "Unsere Aufgabe ist es, Vermisste zu finden. In ihr Leben
zurückkehren müssen sie schon selbst" (S. 97). Sehr zu empfehlender Krimi wenn man keinen Thriller
erwartet; zum Ani-Einstieg besser geeignet als das derbe Verzeihen. |