| Pieke
Biermann: Herzrasen Rotbuch, 1993. Taschenbuch, 268 Seiten. Rotbuch Krimi Nr.80 |
| In einem TV-Interview wurde die
Autorin Pieke Biermann gelobt und die gute Vorbereitung für ihre
Berlin-Krimis in den Vordergrund gerückt. Vor über zehn Jahren
erhielt die Autorin für Herzrasen den Deutschen Krimi Preis 1994
(1. Platz in der Kategorie National; Das waren genügend Gründe dafür, mir einen Biermann-Krimi zu besorgen und mich auf Lesevergnügen und Spannung zu freuen. Herzrasen setzt mit vier Seiten "Ouvertüre. Ein Traum kein Leben" ein (wenn man von den zahlreichen Widmungen und dem Tom Waits Zitat [übrigens: das Beste am Buch] auf der allerersten Seite absieht). Hier soll mit Wörtern Tempo gemacht werden: "Die Mauer. Die Tür". Da kommen krachende Motorräder. Und dann steigen sie (wer das ist erfahre ich nicht) aus "blitzsauberen, stinkenden roten Porsches" aus. Ich bin kein Experte, aber Porsche fabriziert doch keine Motorräder, oder? Warum Porsche stinken und warum kein Komma zwischen "stinkenden" und "roten" ist, blieb ein Geheimnis. Ach was, die ganzen vier Seiten "Ouvertüre" blieben mir verschlossen. Nun haben manche Autoren die Unart einen Prolog vorweg zu schreiben um ihre Intellektualität zu zeigen. Oft ergibt sich der Sinn dann im Laufe des Romans. Also nicht verzagen: Deutscher Krimi Preis 1994! In der ersten Szene, Kapitel 1, werden die Kriminaler Detlev Roboldt und Sonja Schade eingeführt. Warum sie da herumsuchen wird nicht verraten. Bei einer Befragung kriegt eine Frau nicht die Schnauze auf. Das wird zur Sensation ("Sowas hab ich seit zwanzig Jahren nicht mehr erlebt", S. 14). Die zwei Ermittler wollen am Schluß einen Schnaps und suchen eine Imbissbude. Na ja, irgendwann wird die Handlung ja einsetzen: Deutscher Krimi Preis 1994! Richtig, in der nächsten Szene rast ein roter Porsche (sind die in Berlin alle rot?), alle Verkehrsregeln mißachtend, durch die Stadt. Er überfährt fast einen Mann (S. 15) und hält an einem Imbisswagen. Der Fahrer ist Heinz Klaus Jähder, Besitzer der Currywurstbude, der seine hollywoodreife Schleuderfahrt nur machte, um seine Bude zu besuchen. Und so geht es weiter: kurze Szenen mit vielen Personen: Karin Lietze, Helga, H. Pioch, unbenannter Mann, Kitty, Werner, Anita, Beda-Polette, Voltaire, Dolores Wolter, geb. Voltaire, Mimi Jacob, Ritter, Lothar Fritz, Madame Gisèle, Christian, Leonid Malkosch, namenlose Person, Krause, Beate Fritz, Nicole Fritz; inzwischen bin ich bei Seite 49 und habe erfahren, das anscheinend ein Kind ermordet wurde. Während die vielen Dialektpassagen zwar schwierig zu lesen waren, aber für das Lokalkolorit sorgen, wurde es nun unverschämt. Ja, oder wie finden sie das: "Er schloß die Augen und horchte in sich hinein. Rrràp-dung rràp-dung rrràp-durungg ...." (S. 47). Wieder, diesmal unverständliches Berlinerisch? Es geht weiter "Bloàk-dung bloàk-dung" (S. 47). Mongolisch? Zuviel Ernst Jandl gelesen? Alarmschrei: "Ppwwoagjichgg!" (S. 49). Autorin ausgerastet? Auf der nächsten Seite reihenweise mir völlig unbekannte Worte. Oder kennen Sie "ppwweuchtng Bbwwuffww" und "Jüjohj"? Wie sagt man so treffend: verarschen kann ich mich selbst. Auf Seite 51 klappe ich das Buch zu und versuche über ebay möglichst viel herauszuholen. |
| Lektionen, die ich ziehe: die Besprechungen der
aktuellen Literatur sind meist zu überschwenglich; nicht einmal dem
Deutschen Krimi Preis ist zu trauen; das Niveau der 80.000
Bücherjahresflut in Deutschland ist niedrig. Herzrasen kommt mit
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