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Georges Simenon: Brief an meinen Richter
[Lettre à mon juge] München: Heyne, 1969. 172 Seiten. Hansjürgen Wille, Barbara Klau, Übs.
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Der Roman setzt mit einem Brief eines Verurteilten an seinen Richter ein und ich ahnte Schlimmes. Doch man gewöhnt sich an das ungewöhnliche Konzept und Simenon hält die Spannung, die er allmählich aufbaut und zu seinem Sog werden lässt bis zum Ende durch.
Ich will hier nicht zuviel verraten. Simenon lässt auch Zeit bis der Leser konkret erfährt, was die Straftat war. Hier wird Georges Simenon seinem Ruf als psychologischer Meistererzähler voll gerecht. Die Begegnung zwischen dem Briefschreiber Charles Avaloine und seiner späteren Geliebten Martine Englebert und ihr impulsives Kennenlernen ist großartig geschildert. Die Steigerung zur Obsession wird überzeugend aufgebaut. Der Plot ist einfach; die zwanghafte Eifer- und Besitzsucht treibt die Handlung voran. Das Ende erinnert am Ende an Albert Camus: Der Fremde (simenon Rezension).
Zwei Motive blieben mir unklar.
Den Verlust des Schattens (S. 67-68) konnte ich nicht deuten; er lässt an Adelbert von Chamissos Peter Schlemihl denken (simenon Rezension). Die Narbe auf dem Unterleib Martines (S. 87; S. 134) wird nie erklärt oder die Herkunft auch nur angedeutet.
Dass Simeonon 1946, als dieser Roman entstand, schon zur Schnellproduktion von Romanen übergegangen ist, zeigen zwei Flüchtigkeitsfehler. Die Uhrzeit drei Uhr früh (S. 78) passt nicht zu halb vier (S. 85). Der Arzt Avaloine liest keine Fachbücher oder -journale; doch dann bekommt und liest er plötzlich medizinische Zeitschriften (S. 142). Was sind solche Lappalien gegen eine durchschaubare und nachvollziehbare Handlung und eine psychologisch glaubhafte Personencharakterisierung?
Sehr lesenswert.
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Links
simenonBrief an meinen Richter auf maigret.de
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Film und Hörspiel
Le Fruit défendu [Verbotene Frucht] Frankreich 1952. Regie: Henri Verneuil mit Françoise Arnoul (Martine Englebert), Fernandel (Dr. Charles Pellegrin)
Brief an meinen Richter, Hörspiel von Wolf Euba, Bayerischer Rundfunk1985
Literatur
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simenon simenonGeorges Simenon: Brief an meinen Richter. Zürich: Diogenes, 2005. Broschiert, 208 Seiten. 4., Aufl.
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 4.2.2006