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Jean Amila: Mitleid mit den Ratten
[Pitié pour les rats - 1964]. Saarbrücken: Conte, 2006. Helm S. Germer, Übs. Broschiert, 211 Seiten
amila Linksamila Literatur
Von Jean Amila (1910 – 1995, eigentlicher Name: Jean Meckert) las ich mit Vergnügen und Gewinn Mond über Omaha (amila Links); ein Krimi mit historischen Bezügen. Mit Mitleid mit den Ratten hat Amila einen gelungenen moralischen Kriminalroman geschrieben.
Die Familie Lenfant hat sich auf Einbrüche spezialisiert. Dabei haben Mutter Yvonne und Vater Julien genau bestimmte Aktionsrollen; sogar die 17-jährige Tochter Solange mischt mit. Da sie bei ihren Taten konsequent einen Ehrenkodex einhalten, prallen die moralischen Vorhaltungen des Bruders von Julien, Arzt André Lenfant, ab.
Da taucht Michel auf und krempelt das beschauliche Gaunerleben um. Er gehört zu einer politischen Gruppe, bei der vornehmlich das Ziel zählt. Julien nimmt Michel auf eine seiner Touren mit. Beide merken, dass ihre Methoden völlig verschieden und nicht miteinander vereinbar sind. Julien legt Wert auf schonendes Vorgehen. Seinen Stil erläutert er Michel (und damit dem Leser) ausführlich (S. 80-81). Gekonnt zieht umgekehrt die Gruppe die Familie Lenfant in ihre Geschäfte mit Waffen und Sprengstoff ein. Schließlich kommt es zur Katastrophe.
Der Roman ist für die Richtung »noir« sorgfältig konstruiert. Das Einnisten der Gangster in die bescheidenen Wohnverhältnisse der Lenfant ( l'enfants, die Kinder) wird hervorragend erzählt. Ich verglich unwillkürlich mit Max Frisch: Biedermann und die Brandstifter. Das Dreieck Gauner ("Diebsgesindel" meinen die anderen) – politischer Extremist – bürgerliche Moral (Arzt André Lenfant) wird klug inszeniert. Der entscheidende Umschwung steht genau in der Mitte: die Gangster bringen Waffen (S. 105). Zur Ebene der Tat kommt die Ebene der beiden Frauen, Mutter und Tochter. Auch hier baut Amila manche Überraschung ein. Nie hatte ich aber das Gefühl vom Verlauf der Handlung übertölpelt zu werden; kein Ereignis wird mit der Brechstange eingesetzt: alles ist gut durchdacht und respektiert damit den Leser.
Die Übersetzung scheint mir sehr gelungen. In einem Roman dieser Art darf man flotte Sprüche einbauen und auch – obwohl das Original schon 1964 erschienen ist – ein "Weltkulturerbe" benennen. Die UNESCO-Konvention zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt, die diesen Begriff populär machte, kam erst 1972.
Im letzten Akt kulminiert der "Clash" zwischen den beiden Kulturen, die Bibersymbolik und der Buchtitel werden klar. Die Sympathie lenkt Amila geschickt auf die Familie Lenfant. Umso überraschender ist die letzte Szene. Diese vagen Ankündigungen für Akt und Sclußszene mögen genügen.
Hervorragend und mit gelungener moralischer Thematik.
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