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Carlo Lucarelli
Carlo Lucarelli: Der grüne Leguan
[Almost Blue]. Köln: DuMont, 1999. Peter Klöss, Übs. 206 Seiten – Autor
Nach dem sensationellen Laura di Rimini (Lucarelli Rezension) mußte ich bei Lucarelli weiter lesen. Vorab: Der grüne Leguan erschien schon 1997 als Almost Blue in Italien, kommt an die Laura nicht hin, ist aber ein guter und spannender Krimi.
lucarelli Das Personal des Romans ist außergewöhnlich, aber auf Seite der Guten nicht aufdringlich und gesucht andersartig (manche Krimi-Autoren versuchen sich gerade dabei von der Konkurrenz abzusetzen).
Die junge Kommissarin Grazia Negro arbeitet unter Hauptkommissar Vittorio Poletto, sie ist ungestüm, charmant und überragend glaubhaft und plastisch herausgestellt.
Der blinde Simone ist von Chet Bakers Almost Blue begeistert. Schon als Schüler dominierte bei ihm notgedrungen das Akustische und er begeisterte sich für La vie en rose von Edith Piaf. Jetzt als Heranwachsender hört er außer Chet Baker andere Jazzer, Rockmusik und vor allem mit einem elektronischen Scanner Funk und Chats seiner Heimatstadt Bologna.
Der gesuchte Serienkiller wird bei der Polizei der grüne Leguan genannt. Das paßt gut mit Simones Zuordnung von Stimmen zu Farben: grün bezieht sich bei ihm eher auf Unsympathen. Sein Problem ist ein akustisches: er meint ständig Glocken in seinem Hirn zu hören und versucht sie mit lauter Musik aus einem Kopfhörer zu übertönen.
Die Jagd auf den grünen Leguan gestaltet sich abwechslungsreich und mit vielen Rückschlägen. Lucarelli steigert die Spannung indem er Grazia mit Simone verbündet. Es geht turbulent zu und am Ende habe ich nicht alles verstanden (Aufklärung oder Diskussion darüber ist erwünscht). Für den verwendeten "Cutter" habe ich inzwischen eine Teilklärung: es ist ein Teppichbodenmesser oder ein Papierschneidemesser.
lucarelli Lucarelli arbeitet mit drei Erzählrichtungen: zwei Ich-Erzählern (Simone und der Serienkiller) und einem konventionellen Sprecher, wenn die Polizei am Ruder ist. Das belebt den Roman und führte mich ganz kurz mal auf eine falsche Fährte (Simone = Killer). Der Täter ist geistig gestört und darf trotzdem als Ich-Erzähler herumbrausen. Man kann seine Beiträge (nachdem man seine Geistesverwirrheit hingenommen hat) ohne Verlust überlesen. Durch die akustischen Erinnerungen und Bezüge werden die (unnötig) grausamen Szenen gemildert.
Obwohl ich die Lösung nicht ganz kapiert habe ist Der grüne Leguan ein empfehlenswerter Krimi.

Peter Klöss
* 1962, lebt in Berlin, Übersetzer aus dem Italienischen
Ich weiß nicht, ob für den Romantitel der Übersetzer zuständig ist. Oft runzle ich die Stirne, wenn anglo-amerikanische Buchtitel einfach übernommen oder völlig anders übersetzt werden. Doch wenn ein italienischer Autor seinen Roman Almost Blue nach einem bekannten Elvis Costello Song nennt, dann darf man diesen Romantitel nicht übersetzen, wenn ich auch zugeben muß: Der grüne Leguan passt auch.
Almost Blue
"Almost Blue" von Elvis Costello (CDs) gibt es in vielen Fassungen von Chet Baker (CDs), Elvis Presley, Diana Krall (auf: The Girl in the Other Room) u. v. a.
"Almost Blue", Film: Regie: Keoni Waxman, USA 1992; deutscher Titel: "Klänge der Liebe".
Baker höre ich auch gerne, aber auf der Trompete; sein hingehauchter Gesang ist nichts für mich.
In Rezensionen zu Der grüne Leguan wurde darauf hingewiesen, daß Ähnlichkeiten mit Thomas Harris: Das Schweigen der Lämmer und Patrick Süskind: Das Parfum (leguan Rezension) bestehen.
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Lucarelli lucarelliCarlo Lucarelli: Der grüne Leguan. München: Goldmann, 2001. Broschiert, 191 Seiten Lucarelli
Carlo Lucarelli: Der grüne Leguan. Köln: DuMont, 1999. Peter Klöss, Übs. 206 Seiten lucarelli
Costello CostelloElvis Costello: Almost Blue. Demon, 2004. Doppel CD baker
Chet Baker: Let's Get Lost. Novus, 1989 Baker

Carlo Lucarelli
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 13.9.2004