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Lucarelli
Carlo Lucarelli: Schutzengel
[Il giorno del lupo]. Köln: DuMont, 2001. Gebunden, 174 Seiten – Autor
Marco Coliandro wird durch seine Ex-Freundin Simona »Nikita« Stanzani in ein mafioses Abenteuer hineingezogen. Sie konnte als Kurierfahrerin ein Päckchen nicht ausliefern; die Mafia jagt dem Päckchen nach. (Diese Thematik greift Lucarelli in lucarelli Laura di Rimini noch durchgedrehter wieder auf.)
Der Thriller Schutzengel gewinnt seine Dramatik aus dem komischen Paar Coliandro – Nikita, den witzigen Dialogen und dadurch, daß Lucarelli seine Leser auf fast jeder Seite überrascht, um nicht zu sagen: hereinlegt.
Ich-Erzähler Polizist Coliandro wurde aufgrund einiger "Mißerfolge" in den ständigen Innendienst, die Beschaffung, versetzt.
»He, Coliandro ... was machst du denn hier? Sitzt du nicht mehr ... wo bist du noch mal?« »Beschaffung«, knurre ich, und er macht ein überraschtes Gesicht.
»Ach, im Rauschgiftdezernat?«
Ja, klar, im Rauschgiftdezernat ... Erst denke ich, der will mich verarschen, aber dann fällt mir ein, daß Trombetti den niedrigsten Intelligenzquotienten des gesamten Polizeipräsidiums von Bologna hat, also zucke ich mit den Schultern und sage nichts.
S. 10-11
Dabei muß man dem Autor ein paar haarsträubende Übertreibungen abkaufen. So flüchtet Coliandro trotz Infusion ohne zweimal zu überlegen aus dem Krankenhaus (S. 97) oder ballert beherrschungslos herum (S. 44). Er ist, mit Verlaub, ein läppischer Tropf, obwohl oder gerade weil, er sich für Gotts kleinen Bruder hält (S. 39). Mit der Zeit gefiel mir seine überhebliche, tollpatschig draufgängerische Art: "Sobald die Ampel auf Grün umspringt, hupe ich meinen Vordermann an" (S. 58). Oder noch draller:
Der Vordermann steigt aus, steckt den Arm durch das offne Seitenfenster und fängt an zu schieben. Er macht mir Zeichen, ich soll aussteigen und ihm helfen. Da hat er sich aber geschnitten. Ich fahre auf den Bürgersteig, denn die Straße ist eng, schalte ebenfalls den Warnblinker an und mache den Autos hinter mir Zeichen, daß sie vorfahren sollen. Sollen die ihm doch helfen, dem Loser. [Übersetzer]
S. 59-60
Auf den 174 Seiten passiert mehr als bei anderen Kriminalromanen mit 300 Seiten. Wer sich auf Lucarellis Augenzwinkern einläßt, hat ein turbulentes Lesevergnügen.
Nikita nennt ihren Kumpanen öfters [Inspektor] Callaghan (S. 52 u.v.a.). Callaghan (Slim CallaghanSlim Callaghan) ist eine Romanfigur des englischen Krimiautors Peter Cheyney (1896-1951), der sich auch den FBI Agenten Lemmy Caution ausgedacht hat. klöss Rezension Peter Cheyney: Uneasy Terms
Lesebändchen
Die Ausgaben der Lucarelli-Romane bei DuMont habe Lesebändchen zum Einmerken. Das ist völlig unnötig, denn die 174 Seiten von Schutzengel liest wohl jeder auf einen Satz.
Zum klöss Übersetzer Peter Klöss; die Rüge dort wegen der Titelübersetzung muß ich hier fortsetzen. Der deutsche Titel "Schutzengel" ist verfehlt. Dagegen wäre die wörtliche Übersetzung "Der Tag des Wolfes" passend, zumal sie, ähnlich wie der italienische Originaltitel auf Der Tag der Eule von Leonardo Sciascia (lucarelli Leonardo Sciascia: Der Tag der Eule) anspielt und im Roman zweifach vorkommt (S. 122-23).
Ich weiß nicht, wie's im Original ist. Klöss übersetzt oder läßt "Loser" statt "Verlierer" als englisches Wort stehen. Den Schnauzbart übersetzt Klöss ständig mit "Schnäuzer", obwohl ich und mein Duden nur den "Schnauzer" kennen. Doch insgesamt ein starkes Lob an die Übersetzung. Der Text liest sich sehr gut.
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Lucarelli   LucarelliCarlo Lucarelli: Schutzengel. München: Goldmann, 2003. Peter Klöss, Übs. Broschiert, 140 Seiten Lucarelli
Carlo Lucarelli: Schutzengel. Köln: DuMont, 2001. Gebunden, 174 Seiten Lucarelli

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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 20.9.2004