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Lucarelli
Carlo Lucarelli: Der rote Sonntag. Ein Fall für Commissario De Luca
[Via delle Oche]. München: Piper, 2001. Broschiert, 197 Seiten. Monika Lustig, Übs. – Autor
Commissario De Luca verfolgt in Bologna 1948 einen höchst eigentümlichen "Selbstmord". Gemäß einem uralten Krimi-Topos glaubt der Ermittler nicht an den Freitod. Das andere häufige Krimimotiv, das Lucarelli bemüht (und wenn ich es richtig in Erinnerung habe: in einigen seiner Romane), ist: De Luca hat wenig oder keine Befugnis zu ermitteln. Er wurde gerade zur "Sitte" versetzt und er ihm wird im Laufe des Romans mehrfach weggeschoben; was ihn keineswegs hindert, weiter zu hinterfragen.
Alles andere ist ungewöhnlich: De Luca schert sich keineswegs um seine Vorgesetzten; in Pugliese findet er seinen ergebenen Watson. In einem Meer von politischer Machtgier und Korruption findet De Luca die Schuldigen heraus; er ist verläßlich und einer der wenigen Anständigen.
Die politische Einbettung (erste demokratische Wahlen 1948 nach dem Krieg; Machtkampf der Kommunisten, Christliche Demokraten, Alt-Faschisten) bringt Farbe, die Neue Zürcher Zeitung nannte es in ihrer Rezension: "Authentisches Hintergrundrauschen". Mir blieben die eingeschobenen Zeitungsschlagzeilen, die wohl den Zeitbezug herstellen sollen, zu vage; vielleicht bringen sie ja dem einheimischen Leser was.
Am Ende steht zwar der Ermittlungserfolg, aber kein endgültiger, hatte ich den Eindruck. Die Mächtigen des Landes werden weiter ohne Rücksicht auf Leichen oder soziale Schichten ihren Kampf austragen. Die Meriten für den Erfolg heimsen eh die anderen ein. Für De Luca bleibt viel zu tun.
Manchmal ballern mir Lucarellis Helden zu unmotiviert herum: Szene im Aufzug / Treppengeschoß, S. 58. Nach dem Schußwechsel mit den unbekannten Gegnern sehen De Luca und Pugliese eine offene Wohnungstür und "rannten darauf zu und stürzten hinein" (S. 59). Das schien mir etwas hirnlos. Ansonsten führt Lucarelli seine Personen wohlüberlegt; er erzählt flott. Der rote Sonntag ist ein guter Krimi, doch scheinen mir die später geschriebenen (siehe Rezensionen) noch besser.
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Lucarelli   LucarelliCarlo Lucarelli: Der rote Sonntag. München: Piper, 2001. Broschiert, 197 Seiten Lucarelli
Carlo Lucarelli: Der rote Sonntag. München: Piper, 2002. Broschiert, 197 Seiten Lucarelli

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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 23.9.2004