Sara
Paretsky: Blacklist
New York: Signet, 2004. Broschiert,
458 Seiten –
Anspielungen,
Kapitelüberschriften – Autorin –
Links – Literatur
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| Privatdetektivin
Vic I. Warshawski erhält einen Auftrag eines bekannten Kunden. Die
91-jährige, reiche Geraldine Graham sieht in einem verlassenen
Herrenhaus gegenüber ihrem eigenen Landsitz nachts Lichter. Die Polizei
schiebt es aus Schrulligkeit der Alten zurück, doch ihr Sohn Darraugh
will Geraldine mit diesem Auftrag beruhigen. Da verhaspelt sich
Warshawski im Dunklen mit der jungen Catherine Mayard und stolpert über
eine Leiche. Die Polizei vermutet Selbstmord, doch die Detektivin geht
der Frage nach: Wer hat den Journalisten Marcus Whitby ermordet? Sie
findet mühsam heraus, daß Whitby einer Spur aus den 50er Jahren
nachging. Dabei spielen die verworrenen Beziehung zwischen
verschiedenen neureichen Clans in Chicago eine Rolle, aber auch die
damaligen Verfolgungen der McCarthy-Ära. Die noch lebenden Vertreter
der Clans Graham, Taverner und Bayard rotieren, unliebsame Enthüllungen
fürchtend. Der Plot wird getragen von dem sehr jungen Araber Benjamin
Sadawi, der sich versteckt hält. Er selbst ist nicht Handelnder,
sondern beeinflußt das Geschehen dadurch, daß er Moslem ist und Blacklist
nach dem 11. September spielt. Warshawski gelingt es in
zahlreichen Gesprächen das Geschehen vor fast 50 Jahren und der letzten
Tage aufzuklären. |
Nach der etwas
langen aber kräftigen Eingangsstory wird es erst wieder auf Seite 120
brisant. Der Patriot Act
("To deter and punish terrorist acts in the United States and around
the world" wurde am 25. Oktober 2001 vom Repräsentantenhaus der USA
verabschiedet) erlaubt grobe und geheime Beschneidung der Rechte der
US-Bürger.
Die erste echte Spannung (abgesehen von den Krimi-Standardfragen: Wer
war's? Wie geschah's? und warum?) kam erst um Seite 180 auf. Doch
Paretsky gelang es weder dieser aufrecht zu halten noch wesentlich neue
Spannung zu erzeugen. Erst zum Ende hin (ab S. 406) kommt es zum
Show-down in einem verlassenen, verschneiten Landhaus. Die Fahrt
dorthin, Warshawski am Steuer, Geraldine Graham als Lotse, durch das
verschneite Wisconsin war für mich der erzählerische Höhepunkt. |
Stil und Komposition
Parateskys Stil ist echte Creative-Writer-Schule, die manchmal ätzend
wirkt. Für die 57 Kapiteln hat sie drei Techniken, die sie abwechselnd
einsetzt.
- Der erste kurze Abschnitt führt zeitlich voraus ins
neue Geschehen. Ab dem zweiten Absatz wird ans letzte Kapitel
anknüpfend zu diesem ersten Absatz zeitlich aufgeholt.
- Der Kapitelbeginn ist skurril: man kann darauf
warten, daß Warshawski nach 2-3 Absätzen aus einem Traum erwacht.
- Das letzte Kapitel endete mit einem spannenden
Auftritt oder Einwurf. Das nächste geht unmittelbar dort weiter. Hier
hat man während einer Zuspitzung der Handlung die Chance, vorm
Umblättern, die Chips und das Bier aufzufüllen.
Nachteilig fand ich seitenlange Dialoge, in denen den
Beziehungssträngen der 50er Jahre nachgespürt wird. Das damalige
Geschehen wird nur im Gespräch verfolgt und erörtert.
Schnitzer oder
schriftstellerische Freiheit
- In Chicago parkt ein Jaguar XK-12 mit Autoschlüsseln
(S. 234) !?
- Obwohl VI Warshawski mit dem vermeintlichen
Terroristen auf der Flucht ist, wird weder ihr Auto noch ihre Wohnung
(dort, wie sich später herausstellt, wird nur der Vordereingang
beobachtet) überwacht (Kap. 31-32).
- Die Polizei durchsucht die Kirche nach dem
versteckten Benjamin. Er wird dort nicht gefunden, aber Vic Warshawski
meint, man müsse jetzt für ihn unbedingt ein neues Versteck suchen (S.
386). Ist nicht gerade ein schon durchsuchter Ort das beste Versteck?
Sie kommt auf die absurde Idee, ihn im leer stehenden Haus des
Ermordeten (der Polizei selbstverständlich bekannt) zu verstecken und
sagt zu ihrer Schnapsidee: "Gosh, you're good V. I.!" (S. 395). Oder
ist das von mir unverstandener Humor?
- Wen verwundert es mit mir, daß Renee mehrfach schießt
("I was about ten feet from her when she fired" S. 428; 429 2x; 430)
aber nie trifft?
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Sara Paretsky
sollte ihrer Protagonisten mal eine andere Schallplatte zugestehen.
Warshawski spielt mehrmals Mozart, gesungen von Leontyne Price.
| Leontyne Price, 10.2.
1927 Laurel (Mississippi), Sopran, Opern- und Konzertsängerin. Sie
wurde besonders bekannt als Mozart-Sängerin (1960 Donna Anna in »Don
Giovanni«, Salzburger Festspiele) und geschätzt als Verdi-Interpretin.
1957 sang sie an der Oper in Chicago. |
Das gibt einen Hinweis auf die dem Roman Blacklist
zugrundeliegende Idee. Geschickt verbindet die Autorin den Krieg in
Afghanistan und die Auswüchse des Patriot Acts nach dem 11.9.2001 mit
dem HUAC House of Un-American Activities Committee. Der ermordete
Journalist Whitby, der Verleger Llewellyn und die Sängerin Leontyne
Price sind Afro-Amerikaner. Damit ist Whitby schuldig by
default: "Black guy on the land, what else was he but a
criminal?" (S. 35). Das bekommt sein Echo in: "Arab, likely a terrorist
on the run, he could have any kind of weapon, so you see him, don't
hesitate. Just shoot." (S. 225). Joseph McCarthy passt auch
geographisch bestens in den Roman um Chicago und Wisconsin.
| Joseph
Raymond McCarthy,
14.11. 1909 Grand Chute (Wisconsin) – 2.5. 1957 Bethesda (Maryland);
1947-54 republikanischer Senator für Wisconsin. McCarthy war 1950-54,
ab 1953 als Vorsitzender des House
Un-American Activities Committee (HUAC) die
treibende Kraft einer antikommunistischen Verfolgungswelle: McCarthyismus, die
sich gegen Regierungsangestellte, Künstler und Intellektuelle richtete.
Im Dezember 1954 wurde McCarthy in einem außergewöhnlichen Akt durch
den Senat gemaßregelt. |
Der Patriot Act, mit dem die amerikanischen Bürgerrechten erheblich
eingeschränkt werden, spielt sowohl bei der Verfolgung der Spuren als
auch der Behandlung der Verdächtigen und von Unbescholtenen eine
erhebliche Rolle. Die Analogie zur McCarthy-Ära mit ihrer
Kommunistenhatz ist Sara Paretsky ausgezeichnet gelungen. Die schlimmen
Auswirkungen staatlicher Hetze sind gelungen in die Handlung eingebut.
Daß Paretsky in dieses politische Geflecht und die Machtkämpfe der
Chicagoer High Society noch Homosexualität einbaut, ist zu dick
aufgetragen und wohl typisch US-amerikanisch. |
Sara
Paretsky
* 1947 in Kansas; lebt seit Ende der 1960er Jahre in Chicago. |
| Links
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Sara Paretsky
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The CWA Dagger Awards:
2004 The CWA Gold Dagger for Fiction: Sara Paretsky: Blacklist
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2004 Dagger Award for Crime
Novel
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Interview with Sara Paretsky – audio
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Anspielungen und
Kapitelüberschriften in Sara Paretsky: Blacklist
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Zitate
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| Literatur
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