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Dickson
Carter Dickson: The Ten Teacups
[aka The Peacock Feather Murders]. London: Penguin, 1951. 223 Seiten – Dickson AutorDickson LinksDickson Literatur

In einem TV-Bericht über Bücher und Lesen als Lebensbereicherung schwärmte ein Bücherwurm und Autor von The Ten Teacups. Ich besorgte mir den Krimi antiquarisch (wie sich herausstellen sollte, ist der Roman weder in englisch noch deutsch neu lieferbar) und wurde im Laufe der Lektüre immer mehr enttäuscht.
Ein mysteriöser Mord in einem abgeschlossenen Raum ohne Täter scheint die exakte Wiederholung eines anderen ungeklärten Mordes zu sein. Beide Male sind 10 Teetassen aufgestellt, beide Male wird die Aktion der Polizei mitgeteilt. Ein Polizeiteam mit Beteiligung des Meisterpolizisten Henry Merrivale versucht die "locked-room murder" (eine Spezialität des Autors, wie ich später las) zu klären.
Der/die Täter(in) ist in der High Society Londons zu suchen. Die Analyse der Ereignisse gestaltet sich ungemein kompliziert und allmählich langweilig. Carter Dickson treibt mit dem Leser ein unlauteres Spiel mit Motiven (Pfauenfedern), Indizien, Umstände und Utensilien (Hut). Im zu beleuchtenden Zeitraum wimmelt es von Mißverständnissen, Bluffs, Falschaussagen und Fallen. Alles wird in langen Dialogen ans Licht gefördert. Nach dem einleitenden Geschehen treibt der Autor nur einmal (ausser in den Dialogen) das Geschehen weiter: eine dritter Fall wird bei der Polizei angekündigt. Er veranlasst eine aufwändige Polizeiaktion.
Nur selten wird Carr witzig oder originell. Immerhin ist Philipp Keatings Lebensmotto beachtenswert: "Play the game an dno damn nonsense; that's my code" (S. 91).
Reclams Kriminalführer schreibt zu einem anderen Krimi des Autors:
"Wie oft bei C.: an den Haaren herbeigezogener, wortreich aufgeblasener, unglaubhafter und langweiliger Gespenster- und Kriminalsalat."
Armin Arnold, Josef Schmidt, Hg.: Reclams Kriminalführer. Stuttgart 1978
Ohne die Gespenster trifft dieses Urteil auch auf The Ten Teacups zu.
Anmerkungen
[McAllister:] "It'd be like trying to arrest Charlie Peace" (S. 37). Charlie Peace war ein berüchtigter Verbrecher: dicksonThe Infamous Charlie Peace (1832 - 1879)dicksonThe Life of Charles Peace
Henry Merrivale (H.M.) zitiert korrekt aus der Bibel (S. 50):
"And all King Solomon's drinking vessels were of gold, and all the vessels of the house of the forest of Lebanon were of pure gold; none were of silver; it was nothing accounted of in the days of Solomon. For the king had at sea a navy of Tarshish with the navy of Hiram: once every three years came the navy of Tarshish, bringing gold, and silver, ivory, and apes, and peacocks. " 1 Kings 10:21-22
"Alle Trinkgefäße des Königs Salomo waren golen und alle Gefäße im Hause vom Wald Libanon waren auch leuter Gold; denn das Silber achtete man zu Zeiten Salomos für nichts.
Denn die Meerschffe des Königs, die auf dem Meer mit den Schiffen Hirams fuhren, kamen in drei jahren einmal, und brachten Gold, Silber, Elfenbein, Affen und Pfauen."
1 Könige 10,21-22
Ausser der Erwähnung der Pfaue (Motiv der Pfauenfeder) entgeht mir der Bezug zum Krimi.
H. M. zitiert korrekt aus dem Gedicht "My Rival" von Rudyard Kipling (S. 65):
I go to concert, party, ball —
What profit is in these ?
I sit alone against the wall
And strive to look at ease.
The incense that is mine by right
They burn before Her shrine;
And that's because I'm seventeen
And she is forty-nine.
Rudyard Kipling: "My Rival", Dicksononline

Henry Merrivale (H.M.) ruft gerne aus: "Lord love a duck!", z.B. S. 125
Die Herkunft dieses Ausrufs, der in etwa "Oh Mann oh Mann!" bedeutet, konnte auch in englischen Diskussionforen nicht geklärt werden.
1966 Film "Lord Love A Duck", US, mit Roddy McDowall, Tuesday Weld, u.a.
geadelt und verewigt wurde der Ausspruch aber schon hier:
Paddy Leonard eyed his alemates.
-- Lord love a duck, he said, look at what I'm standing drinks to! Cold water and gingerpop! Two fellows that would suck whisky off a sore leg. He has some bloody horse up his sleeve for the Gold cup. A dead snip.
James Joyce: Ulysses, Episode 8, Lestrygonians, 1006-1009; Dicksononline
Leider notiert Don Gifford, Robert J. Seidman, Hg.: »Ulysses« Annotated. London 1988, nichts zu "Lord love a duck"
Ein kurze Bemerkung zum Wissensbegriff fiel mir auf (S. 171):
Masters insisted. "Are you going to tell me you knew all this, Sir Henry?"
"Well ... now. Knowing's a large word. ..."
Mehr zum Begriff des Wissens, siehe Dickson Rezensionen, Bibliografien und Links zur Erkenntnistheorie
Etwas ungenau referiert H.M. auf Oscar Wilde: The Canterville Ghost: "now that we're all locked in for the night, as the ghost said in the story ..." (S. 187). Das Gespenst sagt dies nicht.
"... the library had been locked up at night by Mr. Otis himself, ..."
"... as the door was always locked at night by Mr. Otis, ..."
[Cecil:] "...what happened to you when you were locked up with the ghost."
Autor
Carr, John Dickson (1906 Uniontown, Pennsylvania –1977), schrieb unter verschiedenen Pseudonymen, so: Carter Dickson
Eher zufällig las ich unmittelbar hintereinander den Krimi Keine Orchideen für Miss Blandish (1939) des Engländers James Hadley Chase (Rezension), der in den USA spielt und nun das hier besprochene The Ten Teacups (1937) des US-Amerikaners John Dickson Carr, der in London angesiedelt ist. Carr heiratete 1931 und zog dann nach England.
Links
DicksonClassic Crimes
DicksonGrobius Shortling's John Dickson Carr (Carter Dickson)
DicksonCarter Dickson Bibliography
Literatur
derzeit sowohl englisch als auch deutsch nur antiquarisch
Erstausgaben
Carter Dickson: The Ten Teacups. London: Heinemann, 1937.
Carter Dickson: Zehn Teetassen. Zürich. A. Müller, 1941. 240 S. Übs. Heinz Zürcher.
Dickson Anfang

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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 7.5.2005