| Peter
Härtling: Bozena München: DTV, 1996. Broschiert, 158 Seiten – |
| In der
besetzten Tschechoslowakei, genauer in Olomouc (Olmütz), bekam die
Ex-Studentin Bozena (die Nazis untersagten ihr das Jurastudium) bei
einem Anwalt eine Stelle und wird auch von dessem Nachfolger
übernommen. Der neue Chef, ein verheirateter Deutscher, ist kein Nazi,
im Gegenteil: er gerät selbst in Bedrängnis. Bozena verliebt sich in
ihn, kann ihm ihre Liebe aber nicht erkären. Dafür führt sie ab jetzt
Zwiesprache mit ihrem Geliebten im Tagebuch; ersatzweise gibt sie sich
auch einem jungen Tschechen hin, den sie ansonst nicht besonders
ausstehen kann. Nach dem Zusammenbruch der deutschen Herrschaft wird Bozena als Faschistennutte geächtet, kommt in ein Lager und muß jahrelang strafarbeiten. Die Notizen an ihren Geliebten führt sie weiter; ansonsten wendet sie ihre Liebesgefühle den Hunden zu, die sie im Laufe der Zeit bei sich aufnimmt. Das tragische an der sympathischen Protagonistin ist, dass sie ihr Leben lang ohne Verschulden unter die Räder kommt. Seitens der Deutschen sowieso, doch auch seitens ihrer Landsleute. Härtling beschreibt die Mechanismen der Verfemung eindringlich aber nicht aufdringlich. Dazu passen die knappen Zitate ( Seltsam bis unerklärlich blieb mir der Satz über Bozena und ihren Hund Moritz: "Sie sah, wie er sich selbst verschlang, nur um nicht aufzufallen, keinen Schmutz zu machen und diese Menschen nicht aufzuregen" (S. 50). [*] Die Sprache ist dicht, aussagekräftig, auf dem Punkt. Die wörtliche Rede wird selten verwendet, dadurch wurde mir das Geschehen etwas zu weit entfernt. Durch die anderen Qualitäten des Stils, des einfühlsamen Erzählens wird das mehr als wett gemacht. Ein leises, trotzdem großartiges Buch. Sehr lesenwert. |
| * Mein Unverständnis für
diesen Satz wurde geklärt. Der Satz unmittelbar davor lautet: "Er
kuscht, verschwand unterm Sofa, fraß so rasch aus der Schüssel, die ihm
Bozena vorsetzte, daß er sich verschluckte und doch nicht erbrach. Sie
sah, ... [siehe oben]". Ich bezog das Verb "verschlang" im 2. Satz noch
auf das Fressen. Es ist jedoch ein neuer Sachverhalt. Der Hund Moritz
legte sich verschlungen zusammen, "nur um nicht aufzufallen ...". Alles
klar? Dann |
| Links |
| Literatur |
| Monika
Hernik-Młodzianowska: "Zur Inszenierung von Erinnerung im Werk von
Peter Härtling". Diss. Justus-Liebig-Universität Gießen 2008; |
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| Peter
Härtling. Bozena. Eine Novelle. Kiepenheuer
& Witsch 1994. Gebunden, 186 Seiten. |
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