| Giorgio
Bassani: Der Reiher [L'airone]. Herbert Schlüter, Übs. München: Piper, 1986. Broschiert, 227 Seiten |
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| Was macht es aus: ein Autor
erzählt Alltägliches und es langweilt, ein anderer fesselt damit den
Leser? Nach zwanzig Seiten des Romans Der Reiher stellte ich mir diese
Frage. Der italienische Landherr und Rechtsanwalt Edgardo Limentani, 45 Jahre, war aufgestanden und fährt zu einem Jagdausflug. Eine Jagd ist in Italien so alltäglich, wie woanders der Kinobesuch. Was also macht den Roman so spannend? Bassani erzählt eher leidenschaftslos, doch flechtet er mit wenigen Sätzen die Vergangenheit Edgardos ein. Dadurch werden Beziehungen angedeutet und Spannung aufgebaut; Spannungen innerhalb der Familie und der Gesellschaft. Hervorragend gemacht. Im Laufe des einen Tages wird klar, daß sich der wohlhabende Edgardo nach einem trauten Heim und auch nach dem einfachen Volk sehnt.
Trotz der meisterlichen literarischen Präsentation wurde mir die Schlußhandlung nicht schlüssig. Sie wird konterkariert durch die makabre Schlußszene mit Edgardos Mutter. Vielleicht wird die Schlußhandlung (wenn man es genau nimmt: der Autor läßt es, wie so manches in diesem Roman, offen) motiviert durch Edgardos Überlegung:
Sehr empfehlenswerter psychologischer Roman |
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| Vergleich mit
James Joyce: Ulysses Beide Romane schildern einen allzu gewöhnlichen Tag im Leben der Protagonisten Edgardo Limentani und Leopold Bloom; Limentani und Bloom sind den ganzen Tag unterwegs. Die verschiedenen Stationen werden geschildert und dienen zum Anlaß für Retrospektiven. Spontan fällt mir noch der gemeinsame Schwerpunkt in Nahrungsssuche, -aufnahme und -abgabe auf. |
| Motto des Buchs sind die beiden ersten Zeilen des folgenden Gedichtanfangs von L'éternité | ||
| Elle est retrouvée. Quoi? L'Eternité. C'est la mer allée Avec le soleil. |
Sie ist wiedergefunden. Was? Die Ewigkeit. Das ist das Meer, davongegangen Mit der Sonne. |
ES ist wiedergehOlt. WAS? Das UnEndlichE. Das Meer, das mit Der SOnne rOllt. |
| Arthur Rimbaud (1854-1891) | Arthur Rimbaud: Das poetische Werk, Zweitausendeins, Übersetzer: Hans Therre, Rainer G. Schmidt. | |
| LAirone
erschien 1968, deutsch 1970. Giorgio Bassani: 4.3.1916 Bologna 13.4. 2000 Rom Kurz bevor ich Der Reiher las, verstarb der Autor und Übersetzer Herbert Schlüter. 16.Mai 1906 Berlin 15.Februar 2004 München; Übersetzerpreis der Stadt München (2000). |
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