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James A. Michener
James A. Michener: Die Kinder von Torremolinos.
[The Drifters] Rheda-Wiedenbrück: Bertelsmann, 1981. 637 Seiten
Vor Jahren hatte ich – zur Vorbereitung meiner ersten Reise nach Texas – den Roman Texas von Michener begonnen und ihn bald enttäuscht weggelegt; sei es wegen meiner Skepsis vor historischen Romanen, sei es, weil Texas echt langweilig war (ganz im Gegensatz zum sagenhaften US Bundesstaat). Der Wasserburger Literaturstammtisch schlug Die Kinder von Torremolinos vom selben Autor zur Lektüre vor und so mußte ich Michener noch ein Chance geben.
Die Kinder von Torremolinos ist bedeutend kurzweiliger und angenehmer zu lesen als Texas, empfehlen würde ich das Buch dennoch niemand. Michener hat seine zweite Chance nicht genutzt, eine dritte wird er nicht erhalten.
Der Roman erzählt die Geschichte sechs völlig verschiedener Jugendlicher der Flower-Power-Zeit (so um 1970), die aus ihrer gewohnten Umgebung ausbrechen und sich in Torremolinos, Spanien, zufällig treffen. Sie haben unterschiedliche Nationen, Herkunft und Einstellungen. Und das ist schon der tiefere Grund des Scheiterns dieses Romans: Michener möchte zuviel und übernimmt sich.
Um die Geschichte vorwärts zu bringen, brechen die Jugendlichen nicht ganz mit dem Elternhaus, sondern erhalten regelmäßig Schecks oder Bargeld; wenn die Eltern gerade nicht wollen steckt schon mal ein Professor einem unbekannten Studenten "eine Handvoll Banknoten zu" (32). Auch sonst passieren jede Menge Unglaubwürdiges und sei es nur, daß der Ich-Erzähler von seiner Super-Global-Firma immer dorthin gesandt wird, wo auch die Aussteiger [amerikanischer Originaltitel: The Drifters] gerade sind: Torremolinos, Algarve, Pamplona, Mozambique, Marrakesch.
Wie beim Vielschreiber Michener zu befürchten war, bedient er jede Menge Klischees. Fast alle Mädchen sind immer schön, zur Abwechslung auch mal attraktiv; Schwedinnen sind immer blond; alle Mädchen liegen sofort flach; eine Ausnahme hat Michener eingebaut: die wurde mal vergewaltigt. Anders kann er es sich wohl nicht erklären, daß ein schönes blondes Mädchen nicht sofort den engen Minirock hochzieht. Nationalitäten werden überall sofort erkannt: "... sah er eine Gruppe attraktive Mädchen herumstehen, vermutlich aus Berlin..." (172). Der "er" ist Cato, ein schwarzer Amerikaner, zum ersten Mal in Spanien!!! Von dieser Art gibt es zahlreiche Nationen-Erkennungen.
Michener arbeitet mit einfachsten Verhaltens- und Gesprächsmustern. Cato kommt zum ersten Mal in die Alamo-Bar in Torremolinos. Fremde Frau: "Kommst du aus den Staaten?" – "Ja" – "Macht ihnen die Hölle heiß!" (166).
Ärgerlich sind auch Mehrfach-Motto vor jedem (!) Kapitel und sachliche Fehler. Beispiel: statt "Charley Barnett" (411) muß es heißen "Charlie Barnet", wie auf jedem Plattencover und in jedem Jazzlexikon nachlesbar.
Wie oben gesagt: der Roman ist locker zu lesen aber nicht empfehlenswert.
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Michener MichenerJames A. Michener: Die Kinder von Torremolinos. München: Goldmann, 1991. Taschenbuch, 637 Seiten Michener
Originalausgabe in englisch: The Drifters. Fawcett Books, 1984. Taschenbuch Michener

Michener
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