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Updike
John Updike: Roger's Version
[Das Gottesprogramm. Rogers Version]. New York: Knopf, 1986. 328 Seiten – Updike LinksUpdike LiteraturJohn Updike Zitate
Der Informatikstudent Dale Kohler kommt gleich zum Romanstart zum Theologieprofessor Roger Lambert (Ich-Erzähler, daher alles: Rogers Version), um ein Stipendium für sein Projekt zu bekommen. er will mit Simulationen auf einem Großrecher die Existenz Gottes beweisen. Nun sind Gottesbeweise gewiß nichts Neues (Updike Horst Seidl, Hg. Thomas von Aquin. Die Gottesbeweise ...;
Cossé Laurence Cossé, Laurence. Der Beweis
), doch hier setzt Dale dem alternden Roger argumentativ zu: das anthropische Prinzip; Einwände gegen die Evolutionstheorie und die kosmologische Big Bang These.
"To demonstrate from existing physical and biological data, through the use of models and manipulations on the electronic digital computer, the existence of God, i.e., of a purposive and determining intelligence behind all phenomena" (S.75-76).
Die Fronten kehrt Updike um: der Theologe verteidigt Darwin, die Physiker, künstliche Intelligenz und mögliches Computerbewußtsein. Ja Roger meint endlich: ein Gottesbeweis widerspräche dem Glaubensprinzip und dem Geheimnis Gottes. Er wirft Dale vor: "You're building a Tower of Babel" (S. 175). Dagegen meint Dale, daß die Physiker auf Gott gestoßen sind, es aber nicht zugeben wollen: "... the last thing they ever expected to happen is happening. God is showing through. They hate it, but they can't do anything about it. Facts are facts" (S. 10). Eine breite Diskussion darüber muß der eine Leser hinnehmen, der andere freut sich darüber.
Mir machte es Spaß, die vertauschten Rollen zu verfolgen. Für die Leser ohne philosophische, biologische oder physikalische Ambitionen werden auch Rollen getauscht. Roger bandelt mit seiner Halbnichte Verna an, Dale dafür mit Rogers Frau Esther; oder ist das nur Rogers Version um seinen Seitensprung zu sanktionieren? Wer Updike kennt, weiß, daß alle vier keine Schranken kennen und Updike dies mehr als genüßlich auswalzt.
Das durchgängige Thema ist die amerikanische Mittelschicht und ihr way of life, den der Leser detailliert serviert bekommt. Typisch beispielsweise, wenn Roger seine Nichts einlädt und gleichzeitig hofft, sie nehme nicht an (S. 275). Wie Harry Angstrom, Protagonist der Rabbit-Serie, ist auch der Protestant Roger ein traurig-komischer Held, völlig angepasst an die WASP-Umgebung. Die Verbindung mit Verna (die unschicklich mit einem Afro-Amerikaner, der sie aber inzwischen verlassen hat, eine Tochter hat) ist heimlich, sie wird von ihm bezahlt. Die triebhafte, unselbständige Verna lebt seit Monaten in einem anderen Viertel, ohne daß sie Roger je besucht hätte.
Für mich war Roger's Version wegen der ausgiebigen Diskussionen lesenswert. Updikes grandioser Stil (im englischen Original lernt man viele neue Wörter!) macht auch die mehrschichtige Handlung trotz etwas langer Beschreibungen kurzweilig.
Die Literaturwissenschaftlerin Judith Shulevitz meinte zu John Updike und Philip Roth, Norman Mailer und Harold Brodkey: »dirty young men« der amerikanischen Literatur der 60er und 70er Jahre.
OK, jetzt wißt ihr, mit wem ihr eure Leseliste ergänzen müßt. Roth Philip Roth. The Human Stain
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Literatur
Wilson, Raymond J., III (1989): "»Roger's Version«: Updike's Negative-Solid Model of »The Scarlet Letter«". Modern Fiction Studies 35:2, S. 241-250.
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Updike Roger's VersionJohn Updike: Roger's Version. Fawcett 1996. Updike
John Updike. Roger's Version. Penguin, 1991. 336 SeitenRoger's Version
Updike UpdikeJohn Updike. Das Gottesprogramm. Rogers Version. Reinbek: Rowohlt, 1990. 405 Seiten

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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 22.2.2003