| R.
M. Ballantyne: The Coral Island. A Tale of the Pacific Ocean
Frankfurt: Penguin, 1995. 304 Seiten – |
| Robert Michael
Ballantyne gelang mit The Coral Island 1858 ein
heute fast vergessener Bestseller. Drei junge Engländer Jack
Martin (18 Jahre), Ralph Rover (15) und Peterkin Gay (13)
überleben in der Südsee ein Havarie ihres Schiffes
und landen auf einer Insel. Dort erkunden sie – wie einst
Robinson – ihre Umgebung, entdecken erstaunliche Dinge auf
dem unbewohnten Eiland und müssen sich mehrfach
bewähren. Sie erhalten Besuch von Eingeborenen und Piraten und
es kommt jeweils zu erstaunlichen Abenteuern. Der Erzähler ist Ralph Rover selbst, der gleich eingangs allzu zarte Gemüter vor der Lektüre warnt. Jack ist schlauer Alleswisser und ungekrönter Anführer, Peterkin der lustige Tollpatsch. Der Ich-Erzähler berichtet recht genau, bleibt selbst aber etwas farblos. Durch vielfältige Exkursionen und einige folgenreiche Begegnungen bleibt die Spannung aufrecht. Dafür sorgen sowohl der gute Romanaufbau als auch Ballantynes ansprechender Stil. Beispiel aus einer Sturmbeschreibung: "Rain cut across the land in sheets, and lightning played like forked serpents in the air; while, high above the roar of the hissing tempest, the thunder crashed, and burst, and rolled in awful majesty" (32. Kap.). Verwoben im Text sind Anweisungen an die Leser, wie ein Lob des täglichen Bades oder der Appell die Schönheiten der Natur, die überall vorhanden sind, richtig zu würdigen. Erstaunlich ist, daß trotz monatelanger Partnerschaft die drei Jungen nie eine echte Meinungsverschiedenheit oder gar einen Streit haben. Etwas verstörrend empfindet der heutige Leser das hohe Lied auf die christlichen Missionare, dies umso mehr, da die Wilden als Kannibalen ohne jegliche Moral geschildert werden. Pirat Bloody Bill: "It's curious fact, that wherever the missionaries get a footin' all these things come to an end at once, an' the savages take to doin' each other good, and singin' psalms, just like Methodists." Da stimmt Ralph natürlich ein: "God bless and prosper the missionaries till they get a footing in every island of the sea!" (24. Kap.). Da urteilt Herman Melville in seinem ein paar Jahre zuvor erschienenen Typee ( Interessant (zu prüfen wäre, wie glaubhaft) sind die Schilderungen der heimischen Gebräuche, so beispielsweise das Wellensurfen (25. Kap.). Nach der Christanisierung wohnen die Insulaner in schönen Hütten mit Garten, gepflanzten Bäumen (obwohl die Inseln stark bewaldet sind) und gekiesten Zugangswegen, ganz so, wie man es sich in England vorstellte. Zuvor wohnten sie in heruntergekommenen Dörfern und schlugen sich gegenseitig die Köpfe ein. Ralph zieht den Schluß: "What a convincing proof that Christianity is of God!" (30. Kap.). Dabei sind die christlichen Engländer selbst nicht zimperlich: vom Häuptling Tararo wollten sie die Freigabe eines einheimischen Mädchens und drohen ihm mit der großen Kanone auf ihrem Schiff, die sein Dorf in die See blasen wird, wenn er das Mädchen nicht herausgibt (32. Kap.). Vom Häuptling Tararo heißt es: "He is a man of falsehood, as all the unconverted savages are" (32. Kap.). Trotz der zeitbedingten (und europäischen Überheblichkeit) Schwäche ist die Abenteuergeschichte auch heute unterhaltsam und somit lesenswert. |
| Robert
Michael Ballantyne, 24. April 1825 Edinburgh
– 8. Februar 1894 Rom; schottischer Autor, der durch seine
Abenteuerromane, wie The Coral Island (1858)
berühmt wurde. Er schöpfte dabei aus
persönlicher Erfahrung. Seine Helden müssen sich auf
sich selbst gestellt in schwierigen Situationen bewähren. Das
geschieht mit der rechten christlichen Moral. Der Roman Snowflakes
and Sunbeams; or The Young Fur Traders (1856; bekannt unter
seinem Untertitel) stützt sich auf Ballantynes Erfahrungen bei
der Hudson's Bay Company. Er schrieb über 80 Romane ( |
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| R.M.
Ballantyne. The Coral Island. A Tale of the Pacific Ocean.
J.S. Bratton, Hg: World's Classics. Oxford, 1990. 384 Seiten |
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