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George MacDonald Fraser Flashman
George MacDonald Fraser: Flashman. From The Flashman Papers 1839–1842
London: Herbert Jenkins, 1969. 256 Seiten – fraser Linksfraser Literaturfraser Zitate George MacDonald Fraser
Den Geheimtipp in der Süddeutschen vom 22. März 2003 hatte ich überlesen ("James Bond ... ist ein fades Weichei dagegen", Rainer Stephan), aber in der Bücher-Newsgroup de.rec.buecher wurde darauf verwiesen. Ich wurde nicht enttäuscht.
George MacDonald Fraser berichtet in Flashman recht locker von den Abenteuern Harry Flashmans, dessen Aufzeichnungen, The Flashman Papers, angeblich 1965 bei der Versteigerung eines Haushalts gefunden wurde. Das verleiht dem Ich-Erzähler Harry von Anfang an Authentizität: "I am concerned with facts, and sice many of them are discreditable to me, you can rest assured they are true" (S. 11). Alles beginnt mit dem Hinauswurfs des 17-jährigen Harrys von der Schule. Er startet eine erstaunliche Karriere im Militär, die zwar immer wieder Knicke hinnehmen muß, dank Harrys unsäglicher Feigheit aber immer wieder stiel nach oben geht.
Ein Motto des Romans, der im viktorianischen englischen Empire um 1840 spielt ist: "Some human faults are military virtues, like stupidity, and arrogance, and narrow-mindedness" (S. 28). Insoweit ist Flashman ein Vorfahre von Josef Schwejk (hasek Jaroslav Hasek. Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk). Allerdings läßt Harry kein Bett aus und der Leser denkt an Harry von Duckwitz in Joseph von Westphalen: Im diplomatischen Dienst (keine Rezension auf dieser Website, da weit vor meiner Internet-Zeit gelesen). Das führt direkt zu Harrys eigenem Bekenntnis: "I was bent on as much fun and vicious amusement as I could get—my contemporaries, who praise God an Sundays and sneak off to child-brothels during the week, would denounce it piously as vicious, anyway—but I have always known how to behave to my superiors and shine in their eyes, a trait of mine" (S. 29).
Harry Flashman übersteht ein Duell ruhmvoll, darf Elspeth heiraten und wird nach Indien "befördert"; von dort gelangt er noch weiter ans Ende der damaligen Welt: Afghanistan. Dem Zeitgeist entsprechend werden die Einheimischen recht düster gesehen. Ihr üblicher Zeitvertreib seien Blutsfehden, Raubüberfälle und Mord (S. 74). Sie sind mörderische Scheusale (S. 85), grausame und bluddürstende Wilde (S. 92).
Dank seiner Feigheit meistert Harry alle haarsträubenden Abenteuer ("when I talk of disaster I speak with authority; S. 98) und wird oft dafür noch belohnt. Er wird in Begleitung seines Dieners Iqbal von einer feindlichen Gruppe angegriffen und Iqbal stürzte sich auf sie. Harry zögerte nicht. Er betrachtete es als inner-afghanisches Scharmützel, wendete sein Pferd und ritt wie der Teufel in den nahen Wald (S. 93). Ein andermal wird der britische General McNaghten angegriffen; während die Engländer ihm instinktiv zu Hilfe eilten, behielt Harry einen kühlen Kopf: "This was no place for Flashman, and I saw only one way out" (S. 145) und flüchtete.
Da Fraser alles mit einer guten Prise Humor bringt, verzeiht man Flashman alle Schurkereien. Offizier Shelton über den britischen Kommandeur Elphy, der sich versehentlich in den Hintern schießt: "The Afghans murder our people, try to make off with our wives, order us out of the country, and what does our commander do? Shoots himself in the arse—doubtless in an attempt to blow his brains out. He can't have missed by much." (S. 152). Weiters trägt zur Sympathie gegenüber Harry bei, daß er selbst sich recht nüchtern als Feigling und Schuft sieht (S. 208).
Dabei kommen realistische Schilderungen der Kolonialzeit nicht zu kurz. Der erzwungene Auszug der Briten aus Kabul und ihr Marsch nach Jugdulluk wird eindringlich erzählt. Von 14.000 Briten und Indern überlebten 3.000. Der Rest fiel den Afghanen, der Kälte und dem Hunger zu Opfer. Harry macht sich natürlich baldigst aus dem Staube und schlug sich selbst durch. Das endet in höchster militärischer Auszeichnung. General Ellenborough hält eine mehr als einstündige Ruhmesrede auf Flashman. Er redet ungeheuren Quatsch über die Thermopylen und die spanische Armada (S. 227). Flashman wird zur Krönung von Königin Victoria in Audienz empfangen, bei der auch der Historiker und Politiker Thomas Babington Macaulay (MacaulayZitate Thomas Babington Macaulay) anwesend ist.
Erfrischende Lektüre, sehr zu empfehlen; derzeit (4/2003) in deutsch nur antiquarisch erhältlich.
Links
George MacDonald Fraser FlashmanThe Flashman Society
George MacDonald Fraser FlashmanThe Royal Flashman Society of Upper Canada
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George MacDonald Fraser George MacDonald Fraser FlashmanGeorge MacDonald Fraser. Flashman. Plume, 1986 Taschenbuch. George MacDonald Fraser
George MacDonald Fraser. The Flashman Papers: Vol I - Flashman. Harper Collins. 1999. Taschenbuch, 299 Seiten.George MacDonald Fraser Flashman

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