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Foer
Jonathan Safran Foer: Everything is Illuminated [Alles ist erleuchtet]
London: Penguin, 2003. 276 Seiten – foer Linksfoer Literatur
Großes Lob von allen Seiten (bis auf eine mir bekannte foer Ausnahme). Da schlug ich zu. Gefesselt las ich die ersten Seiten, ahnte einen neuen foer The Catcher in the Rye (eigenartige Sprache, mit wiederholten ungewöhnlichen Verben, wie "spleen"), schließlich ist Foer keine Dreißig und kennt die modischsten Ausdrücke. Bis ich enttäuscht merkte, daß der Ich-Erzähler Alexander Perchov Ukrainier ist und schlicht schlechtes Englisch spricht. Das wäre als zeitweiliger Gag einseh- und hinnehmbar, doch die unbeholfene Redeweise macht den meisten Text aus.
Ein junger Amerikaner namens Jonathan Safran Foer kommt in die Ukraine. Er hat ein altes Foto dabei, im 2. Weltkrieg in der Ukraine geschossen, darauf ein junges Mädchen, das Foers Großvater vor den Nazis gerettet haben soll. Jonathan Safran Foer sucht mit Hilfe des Dolmetschers Alexander, dessen Großvater und dem Hund Sammy Davis, Junior, Junior, die Frau auf dem Foto, vermutlich namens Augustine. Dazu pirschen sich die vier im Auto (der angeblich blinde Großvater fährt) an den Ort Trachimbrod an, aus dem Foers Familie stammt.
Aufgelockert wird Alexanders Erzählung durch seine Briefe (zeitlich später) an Jonathan in die USA. Unterbrochen wird die Gegenwart durch einen phantastischen Handlungsstrang ab 1791 mit der Geschichte des jüdischen Schtetls bis zum Holocaust. Mit diesem zeitweilig mythischen Geschehen kam ich nicht zurecht. Zurecht: man hat diesen Teil mit foer 100 Jahre Einsamkeit verglichen und dieser Roman des Nobelpreisträgers Garcia Márquez hat mir nicht gefallen.
Bei vielen Werken scheint mir der häufige Zeitwechsel eher ein Marotte zu sein. Hier entsteht eine Mischung aus realistischer Erzählung, Märchen und Historie, angereichert mit Wortspielen, wie sie im Bauerntheater beliebt sind.
Much to Yankel's dismay, Brod insisted on cutting that thick black hair herself.
It's not ladylike, he said. You look like a little boy when it's so short.
Don't be a fool, she told him.
But doesn't it bother you?
Of course it bothers me when you're a fool. (S. 76)
Der Haupterzählungsstrang ist teils witzig, teils nutzen sich die wenigen, sich wiederholenden Muster ab. So lebt der Text von falsch verwendeten Wörtern des Ukrainers ("we would not manufacture any noise" (S. 105) oder kindischen Tautologien.
" ... he as having memories for when he was only a boy, and not an old man." (S. 102)
Die Masche, daß Alexander dem US-Boy Jonathan nicht die Rede, sondern das übersetzt, was ihm angemessen erscheint, ist nicht neu (ich erinnere mich an foer Javier Marias: Mein Herz so weiss), und nutzt sich schnell ab. Die Masche (oder der Fluch der Personenkonstellation), daß jeder Satz vom Großvater zu Alexander und Jonathan (und zurück) öfter fast wörtlich wiederholt wird, füllt die Zeilen und ärgert den Leser (zumindest mich).
"That wasn't so bad," Jonathan said. "That wasn't so bad," I told Grandfather. "This is what I said," he told me. "I said it would not be so bad." (S. 222)
Je näher der Historienstrang der Gegenwart kommt, desto konkreter wird er. Doch auch von 1934 bis 1941 berührten mich Safrans (Großvater Jonathans) zahlreiche Weiberaffären nicht.
Die Suche der Vier als Roadstory ist amüsant. Zwar wird Jonathan schon beim ersten Hotelaufenthalt vom eigenwilligen Sammy Davis, Junior, junior, die Brieftasche samt Geld, Geldkarten etc. aufgefressen, dem US-Amerikaner gehen aber trotzdem die Devisen nicht aus (habe ich irgendwo ein "Esel streck dich" überlesen?).
Ich bin auf die vielen Lorbeeren hereingefallen. Die Lektüre lohnt sich nicht. Einzig der deutsche Fernsehstar Harald Schmidt bekannte in der ersten TV-Sendung "Lesen!" der Elke Heidenreich im ZDF, daß ihm Alles ist erleuchtet zu langweilig war. Das kann ich für den Mythen-Historienteil bestätigen, der Hauptstrang war nicht langweilig. Aber spannend war es selten.
Jonathan Safran Foer, geboren 1977, studierte in Princeton Philosophie und Literatur. Everything is Illuminated ist sein erster Roman, der zweite erscheint 2004. Ich werde ihn nicht lesen.
Links
FoerJonathan Safran Foer Author of Everything is Illuminated talks with Robert Birnbaum
FoerDave Weich, Powells.com: "Unlocking Jonathan Safran Foer"
Literatur
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foer FoerJonathan Safran Foer: Everything is Illuminated. London: Penguin, 2003. 276 Seiten. foer
Jonathan Safran Foer: Everything is Illuminated. Perennial - HarperCollins, 2003. Taschenbuch, 288 Seiten.Foer
foer FoerJonathan Safran Foer. Alles ist erleuchtet. Dirk van Gunsteren, Übs. Köln: Kiepenheuer und Witsch, 2003. Gebunden, 383 Seiten. foer
Jonathan Safran Foer. Alles ist erleuchtet. Dirk van Gunsteren, Übs. Frankfurt: Fischer, 2005. Taschenbuch Foer

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