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Allen Kurzweil Grand Complication
Allen Kurzweil: The Grand Complication
London: Arrow, 2003. 359 Seiten – Die Leidenschaften eines Bibliothekars. München: Luchterhand, 2002. 368 Seiten
Der englische Buchtitel The Grand Complication ist übertrieben (der deutsche trifft mit Die Leidenschaften eines Bibliothekars besser den Inhalt). Die Komplikationen um Alexander Short, den Bibliothekar in New York, seiner französische Frau Nic und dem großen alten Auftraggeber Henry James Jesson III. sind eher harmlos und durchschaubar. Short – "Xander" ruft ihn Nic, wenn sie ihn zum Sex verführen will – ist den Büchern verfallen. Er trägt am Gürtel ein Notizbuch, in das er auch was hineinschreibt, wenn Nic ganz nahe ist. Der exzentrische Sammler Jesson gibt ihm einen undurchsichtigen Auftrag, den er trotzdem gerne annimmt, weil auch Jesson ein Bücher- und Sammlernarr ist und weil Alexander so leichter von Nic loskommt. Zunächst hat es den Anschein, daß Alexander als eine Art Schreiber für alles bei Jesson ist. Da Jesson gut zahlt, dauert es bis Seite 88 bis Alexander "Bartleby" Short sein berühmtes "I'd prefer not to" spricht (Herman Melville Bartleby Herman Melville: Bartleby, the Scrivener). Allmählich wird Alexander und dem Leser klar, daß Jesson nach einer Taschenuhr von Abraham-Louis Breguet, die jener angeblich für Königin Marie-Antoinette angefertigt hatte, sucht. Hier kommt dann erstmals Pfeffer in das Geschehen: "without the unauthorized loan I'd never have learned that the watch we sought was famous and hot" (S. 158). Komplikationen entstehen einerseits bei der Verfolgung der Spuren dieser Uhr, für die Jesson keine Kosten scheut und andrerseits durch Alexanders dem Auftrag dienlichen Übertretungen in der Bibliothek. Die zeitweise Entnahme eines Buches und die Rückgabe sind die einigermaßen spannenden Abschnitte des Buchs. Leider die einzigen. Darüber können auch einige Anspielungen nicht hinwegspielen:
  • Brechts "exhortation" (S. 92) konnte ich nicht orten.
  • Jesson: "My motto has always been, I collect, therefore I am" (S. 187).
  • Das mehrfach erwähnte "Habent sua fata libelli" ist keineswegs von Horaz, wie Kurzweil mehrfach meint, sondern von Terentianus Maurus Terentianus Maurus.
Der Plot ist gut (wenn auch schon hundertfach ausgewrungen) und gäbe bei einem besseren Erzähler sicher einen fesselnden Thriller. Diese Chance hat der Autor Kurzweil vertan. Nomen ist halt nicht immer Omen.
Die Rezension in der SZ vom 11. März 2003 von Kai Martin Wiegandt traf es abschliessend genau (ich traute ihr nicht, da die SZ-Rezensionen ansonsten so ungenau sind):
"Wer die Leidenschaften des Bibliothekars Alexander Short nicht teilt, bei dem hinterlässt seine Geschichte das gefühl beim Lesen zu alt geworden zu sein".
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Allen Kurzweil Allen Kurzweil Grand ComplicationAllen Kurzweil. The Grand Complication. London: Arrow, 2003. Taschenbuch, 368 Seiten. Allen Kurzweil
Allen Kurzweil. Die Leidenschaften eines Bibliothekars. München: Luchterhand, 2002. Gebunden, 368 Seiten.Allen Kurzweil Grand Complication

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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 23.6.2003