| Henry
James: The Aspern Papers London: Penguin, 1986. 270 Seiten Biografie Kritik an der Kritik Literatur Links |
| Ein Literaturfan von Jeffrey Aspern,
einem vergötterten, bereits verstorbenen Schriftsteller, erfährt,
daß in Venedig noch eine frühere Geliebte seines Idols wohnt. Er
erzählt in The Aspern Papers (1888; deutsch: Asperns Nachlass) sein
Projekt an die Papiere (Briefe, Notizen) zu kommen, die Juliana Bordereau noch
haben muß. Zunächst quartiert er sich unter falschem Namen im
Palazzo der kaum bewegungsfähigen, alten Dame ein. Die Nennung des
richtigen Namens scheint ihm nicht geboten, da ein früherer, schriftlicher
Versuch Kontakt aufzunehmen brüsk abgewiesen wurde. Über die
ebenfalls dort wohnende Nichte Tina versucht er behutsam ins Vertrauen gezogen
zu werden. Es entspinnt sich ein psychologisches Spiel, bei dem einiges unklar
ist: gibt es die Papiere (noch)? Weiß Juliana oder Tina über sein
Vorhaben? Wird er gar von den beiden vereinsamten Damen aufs Kreuz gelegt?
Immerhin haben sie trotz ihres abgeschiedenen Lebens (oder deshalb?) den Ruf
von Hexen (S.49). Ich finde, Henry James gelingt es meisterhaft, trotz spärlicher Handlung die Spannung zu steigern, bis zum überraschenden Finale, über das ich hier nichts verraten will. Alfred Hitchcock hatte sicher seine Freude daran. Angeblich wurde The Aspern Papers verfilmt; das KLL und mein Filmhandbuch wissen nichts davon. Schon 1888 beschreibt James ein dekadentes Venedig; der weitläufige Palazzo ist ungepflegt und wird von zwei verarmten US-Amerikanerinnen bewohnt. Und es ist ein erster Fan-Roman; man lese über Popfans Nick Hornby: High Fidelity; über Bibliothekfans (nicht so gelungen): |
| Biografie 15.4.1843 New York 28.2.1916 London-Chelsea (auch sein Landhaus in Rye, Sussex, wird genannt). Bruder von William James; wird, trotzdem er lange in Europa wohnte, als amerikanischer Schriftsteller eingeordnet. 1875/76 Paris (Kontakte zu G. Flaubert, I. Turgenjew, É. Zola u.a.) Henry James gilt als Meister der psychologisch-realistischen Erzählkunst: die Handlung tritt zugunsten von Dialog und Monolog und psychologischer Beschreibung zurück. |
| Kritik an der Kritik In Kindlers Literatur Lexikon wird die Nichte Tina zu Tita. In anderen Rezensionen sind Tante und Nichte Schwestern. Ich wollte schon: "Skandal!" rufen, bis ich in einer Literatur-Newsgroup las, daß es eine US- und eine England-Version gibt. Jedenfalls teile ich aber nicht die Auffassung, daß für den Ich-Erzähler jedes Mittel recht ist, mit der Nichte in engeren Kontakt (KLL) oder gar an die Papiere zu kommen ("Ein Fan geht über Leichen", |
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